"Im Schatten des Todes" - читать интересную книгу автора (Питерс Элизабет)

7. Kapitel

Niemand von uns versuchte mit Walter und Abdullah deshalb zu streiten. Niemand hielt ihnen auch vor, Mohammed habe sie #252;bert#246;lpelt. Pl#246;tzlich sprang Emerson auf und lief weg. Ich wu#223;te sofort, wohin er wollte und was er dort finden w#252;rde. Ich folgte ihm langsam, und als ich ihn einholte, stand er neben dem Holzger#252;st, welches das gemalte Pflaster gesch#252;tzt hatte. Die Malerei war verschwunden, teilweise herausgebrochen, teilweise v#246;llig vernichtet. Also hatte ich ganz umsonst soviel und so angestrengt gearbeitet. Doch das war nicht mein erster Gedanke. Mich traf es viel tiefer, da#223; so viel Sch#246;nheit so sinnlos zerst#246;rt worden war. Instinktiv griff ich nach Emersons Hand, und er nahm die meine. So standen wir eine Weile mit ineinandergelegten H#228;nden da, bis es ihm zu Bewu#223;tsein kam; dann warf er meine Hand f#246;rmlich weg. Er sah sehr bek#252;mmert und noch viel hagerer aus als sonst.

»Unsere Mumie ist sehr boshaft«, sagte ich.

»Peabody, ist Ihnen nicht auch schon der Gedanke gekommen, da#223; dieser ganze elende Plan f#252;r den beschr#228;nkten Geist Mohammeds viel zu raffiniert ist?«

»Vielleicht untersch#228;tzen Sie seine Intelligenz?«

»Nein, das glaube ich nicht. Sein Motiv ist mir auch unklar. Warum sollte er sich einer kleinen Rache wegen so viel M#252;he machen? Wir verschaffen seinem Dorf doch Arbeit und Geld, und diesen Verdienst brauchen sie dringend.«

»Aber wenn Walter sagt, Mohammed habe das Dorf nicht verlassen ...«

»Das glaube ich nicht. Wer sollte sonst die Mumie sein?«

»Sie meinen also, wir m#252;#223;ten nach jemand Ausschau halten, der hinter Mohammed steht? Aber wer k#246;nnte das sein?«

»Das ist schwer zu sagen. Vielleicht ein reicher Amateur-Arch#228;ologe .«

»Das ist doch l#228;cherlich!« fuhr ich auf. Und damit war f#252;r den Moment unsere Unterhaltung beendet. Emerson warf mir einen geh#228;ssigen Blick zu und kehrte zum Lager zur#252;ck.

W#228;re Emerson nicht so stur gewesen, ich glaube, wir h#228;tten Amarna doch verlassen, aber Evelyns Takt half uns #252;ber die n#228;chsten Stunden weg. Sie bestand darauf, wir sollten alle ein paar Stunden schlafen, ehe wir weiter #252;ber die ganze Sache diskutierten. Ich bezweifelte allerdings, da#223; ein paar Stunden Schlaf Emerson friedlich und einsichtiger stimmen k#246;nnten.

Abdullah stand Wache, w#228;hrend wir schliefen, und er weckte uns mit einem Schrei. Ich taumelte, geblendet von der glei#223;enden Sonne, vor die T#252;r und sah eine Prozession vom Flu#223; her nahen. Der Anf#252;hrer sa#223; auf einem Esel, war aber noch nicht zu erkennen.

»Aha, da kommt Verst#228;rkung«, bemerkte ich, als Evelyn neben mich trat. »Ich bin ja neugierig, was Lord El-lesmere zu unserem kleinen Geheimnis meint.«

»Lucas!« rief Evelyn.

Walter hatte unsere Unterhaltung geh#246;rt und warf Evelyn einen forschenden Blick zu. Dann sah er, die Stirn gerunzelt, dem Neuank#246;mmling entgegen. Lucas hatte uns schon gesehen und winkte heftig. Seine wei#223;en Z#228;hne blitzten im jetzt tiefgebr#228;unten Gesicht. Walter sah immer finsterer drein.

»So, Sie kennen also diesen gr#228;#223;lichen Kerl«, sagte Emerson. »H#228;tte ich mir ja denken k#246;nnen, da#223; er ein Freund von Ihnen ist, Peabody.«

»Diese Gegend, Emerson, ist nicht Ihr Privatbesitz«, entgegnete ich hochm#252;tig. »Eigentlich erstaunlich, da#223; wir nicht mehr Besucher hatten.«

Emerson nickte, und ich gab ihm nun die Erkl#228;rung, auf die er wohl Anspruch hatte: »Lord Ellesmere ist Evelyns entfernter Verwandter. Wir trafen ihn kurz vor unserer Abreise in Kairo, und er sagte, er wolle die gleiche Reise machen. Wir rechneten damit, ihn in Luxor zu treffen. Er mu#223; dann wohl die vor Anker liegende Philae gesehen und sich nach unserem Verbleib erkundigt haben.«

Ich war mit mir selbst recht zufrieden, denn ich dachte nicht daran, Evelyns Beziehung zu dem verstorbenen Lord Ellesmere beziehungsweise zu Lucas zu er#246;rtern. #220;brigens hatten beide Emersons kein Interesse an Skandalen, wenn es dabei nicht um alt#228;gyptische Pharaonen ging, und deshalb war anzunehmen, da#223; sie von Evelyns fr#252;heren Eskapaden nichts geh#246;rt hatten.

Evelyn war, wie ich sah, sehr bla#223; geworden, als sie die Ann#228;herung ihres Vetters beobachtete, und Walter musterte sie erstaunt und bek#252;mmert. In diesem Moment kam mir eine Erkenntnis. Ich wollte Walter f#252;r Evelyn; sie pa#223;ten ideal zueinander; er war ehrenhaft und liebenswert und w#252;rde sie gut behandeln. Wenn ich sie aufgeben mu#223;te, dann wu#223;te ich sie bei dem guten und z#228;rtlichen Walter gut aufgehoben. Also sollte Evelyn ihren Walter bekommen, obwohl ich wu#223;te, da#223; es nicht ganz einfach sein w#252;rde.

»Wollen Sie Ihrem Verwandten nicht entgegengehen und ihn begr#252;#223;en?« fragte Walter.

Evelyn erschrak. »Ja, nat#252;rlich«, antwortete sie ohne jede Begeisterung.

»Bleib hier«, sagte ich. »Michael soll Tee bringen. Ich gehe hinab.«

Lucas fiel mir mit einem Freudenschrei um den Hals, und weil mir das gar nicht behagte, mu#223;te ich ihm einen ordentlichen Sto#223; versetzen, der mir einen vorwurfsvollen Blick von ihm einbrachte.

»Eine solche Warnung war nicht n#246;tig, Mi#223; Amelia«, hielt er mir vor. »Aber was tun Sie hier? Wer sind Ihre Freunde und warum .«

Nat#252;rlich gab es Erkl#228;rungen und die gegenseitige Vorstellung, aber als ich dann die Geschichte von der Mumie erz#228;hlte, h#246;rte Lucas schweigend zu. Schlie#223;lich grinste er, und zum Schlu#223; liefen ihm Lachtr#228;nen #252;ber das Gesicht.

»Das ist ja gro#223;artig! Oh, wie ich mich freue, diese wandelnde Mumie zu sehen! Ein solches Gl#252;ck h#228;tte ich wirklich nicht erwartet!«

»Es ist keineswegs sicher, ob Sie das Vergn#252;gen einer solchen Begegnung haben werden, Lord Ellesmere«, sagte Walter. »Und warum sollten wir Sie mit unseren Problemen belasten? Wenn Sie die Damen in Sicherheit .«

»Sie werden mich doch nicht um ein solches Erlebnis bringen wollen«, protestierte Lucas.

»Nun, Lord Ellesmere, wenn Sie sich unserer Gruppe anschlie#223;en wollen, m#252;ssen Sie schon mich um Erlaubnis fragen«, warf da Emerson ein. »Ich werde Sie ja kaum daran hindern k#246;nnen, hier irgendwo ein Zelt f#252;r sich selbst aufzustellen.« Das war f#252;r Emerson eine beachtliche Rede, und Lucas wickelte ihn dann auch geradezu in seinen Charme ein. Emerson musterte ihn mit der Begeisterung, die ein alter, brummiger Hund einem verspielten jungen Terrier entgegenbringt, und schlie#223;lich erkl#228;rte er sich sogar bereit, Lucas einige der Gr#228;ber zu zeigen. »Besonders die Reliefs sind interessant«, bemerkte er. »Die alten K#246;nigsgr#228;ber wurden ja von diesen Halunken ausgepl#252;ndert, denn die Dorfbewohner verschleppen alles, was sie irgendwie zu Geld machen k#246;nnen.«

»An K#246;nigsgr#228;bern bin ich im Moment sowieso nicht #252;berm#228;#223;ig interessiert, und dorthin ist es ja auch ziemlich weit, wie ich h#246;re«, erkl#228;rte Lucas.

»Ihre Stiefel w#252;rden sicher darunter leiden«, best#228;tigte Emerson. »Aber #252;ber Amarna scheinen Sie einiges zu wissen, denn das k#246;nigliche Grab hier steht nicht auf der Liste der Attraktionen f#252;r Touristen.«

»Oh, ich bin an allem interessiert, was #196;gypten betrifft, und ich habe auch schon eine recht ordentliche Antiquit#228;tensammlung. Ich will n#228;mlich im Ellesmere Castle eine #228;gyptische Galerie einrichten.«

»Schon wieder eine Amateurkollektion, zusammengeramscht von einem Dummkopf«, fuhr Emerson auf.

»Da scheine ich ja einen empfindlichen Punkt getroffen zu haben«, meinte Lucas und l#228;chelte Evelyn an.

Evelyn erwiderte das L#228;cheln nicht. »Mr. Emerson hat v#246;llig recht, Lucas«, erwiderte sie. »Nur geschulte Arch#228;ologen sollten Ausgrabungen machen d#252;rfen, denn die vielen zerbrechlichen und zerbrochenen Dinge k#246;nnen nur von geschulten H#228;nden pfleglich behandelt werden. Es w#228;re besser, die Touristen w#252;rden nicht von H#228;ndlern kaufen, weil dadurch nur noch mehr Schaden angerichtet wird.«

»Du lieber Gott, ich ahnte ja nicht, da#223; du so begeistert bist! Aber genau das brauche ich f#252;r meine k#252;nftige #196;gyptensammlung - einen Fachmann, der die Kollektion pflegt und katalogisiert. Dann wird mich Mr. Emerson vielleicht auch nicht mehr verachten.«

»Verachten wird er Sie immer«, warf ich ein. »Und wenn Sie das nicht wollen, dann #252;bergeben Sie Ihre Antiquit#228;ten dem Britischen Museum, wo sie besser aufgehoben sind.«

»Nein, das werde ich bestimmt nicht tun«, widersprach er lachend. »Eher wird Mr. Emerson mir meinen Papyrus vorlesen. Er ist ziemlich gut. Nat#252;rlich kr#252;melt er schon, und er ist mit diesem komischen Gekrakel bedeckt. Als ich ihn aufrollte .«

Emerson st#246;hnte. »Sie haben ihn aufgerollt?«

»Nur einen Teil, dann brach er ja auseinander. Deshalb dachte ich . Aber Mr. Emerson, Sie sind ja leichenbla#223;! Habe ich etwas Falsches gemacht?«

»Ein Mord w#228;re auch nicht schlimmer«, hielt ihm Emerson vor. »Sie haben wohl keine Ahnung davon, da#223; die Zahl alter Manuskripte beschr#228;nkt ist.«

»Nun ja, wenn Sie so gro#223;en Wert darauf legen, sollen Sie den Papyrus haben. Vielleicht kann ich mir damit die Zulassung zu Ihrer reizenden Gruppe erkaufen. K#246;nnte ich mich jetzt hier umschauen? Ich m#246;chte ein Grab f#252;r mich selbst aussuchen, wenn ich schon die Nacht #252;ber hier bleibe.«

Ich hatte mir inzwischen den Kopf zerbrochen, weshalb Emerson f#252;r kurze Zeit Lucas gegen#252;ber fast liebensw#252;rdig gewesen war. Nun fand ich zwei Gr#252;nde. Der erste war der, da#223; f#252;r jeden Ausgr#228;ber ein wohlhabender Patron ein ungeheurer Vorteil ist, und der zweite Grund konnte der sein, da#223; er Walter, seinen Bruder und getreuen Helfer, nicht gerne an Evelyn verlor, und so war es ihm angenehm, da#223; Lucas seine Base zu verehren schien. Diese beiden Vermutungen best#228;tigten sich dann auch.

Lucas fand das ganze Lager gro#223;artig und best#252;rmte Emerson mit Fragen, sch#252;ttelte den Kopf #252;ber Mohammeds Gemeinheit und den Aberglauben der Touristen und Dorfbewohner, dr#252;ckte dem erstaunten Abdullah die Hand - und #228;u#223;erte Zweifel #252;ber Michael.

»Sind Sie sicher, da#223; Sie ihm trauen k#246;nnen?« fragte er mich leise, als wir am Kochzelt vorbeikamen, wo Michael einen einfachen Imbi#223; vorbereitete. Er verrichtete alle Arbeiten, seit die Dorfbewohner uns im Stich gelassen hatten.

»Ich vertraue ihm uneingeschr#228;nkt«, antwortete Evelyn. »Amelia hat das Leben seines Kindes gerettet, und er w#252;rde f#252;r sie sterben.«

»Dann ist dar#252;ber nichts mehr zu sagen«, erwiderte er, redete aber dann doch noch eine ganze Menge; Michael sei ja ein Einheimischer und abergl#228;ubisch, und wie k#246;nne er seine unsterbliche Seele einem D#228;mon aussetzen?

»Lord Ellesmere, ich w#252;rde mir an Ihrer Stelle dar#252;ber keine Gedanken machen«, riet ihm Emerson kurz und trocken. Darauf schwieg Lucas dann auch.

Lucas wollte nat#252;rlich das gr#246;#223;te Grab beziehen, das eines Mannes namens Mahu, der Polizeichef der Stadt gewesen war, doch man h#228;tte Tage gebraucht, es zu s#228;ubern. So mu#223;te er sich mit einem kleineren Grab zufriedengeben. Er schickte einen Diener zum Boot mit einer langen Liste von Gegenst#228;nden, die er in den n#228;chsten zwei Tagen dringend brauchen w#252;rde.

Nach dem Mittagessen nahm mich Emerson beiseite. »Kommen Sie mit, Peabody«, forderte er mich auf. »Sie wollten doch ein K#246;nigsgrab sehen, und jetzt h#228;tten wir gerade Zeit.«

»Wird Walter mitkommen?«

»Nein, Walter soll hierbleiben. Jemand mu#223; doch aufpassen. Abdullah soll auf den Lord achtgeben, damit er sich kein Bein bricht oder vom Esel f#228;llt. Aber beeilen Sie sich, sonst gehe ich allein.«

Drei Meilen weit marschierten wir durch ein wahrscheinlich seit Jahrtausenden ausgetrocknetes Tal, in dem kein Grashalm wuchs. Man f#252;hlte sich als Eindringling in einer fremden Welt. Schlie#223;lich kamen dann die Fragen, mit denen ich gerechnet hatte. Emerson wollte einiges #252;ber Lucas erfahren, vor allem #252;ber dessen Verm#246;gen und sein Interesse an Evelyn. Mir waren diese Fragen zuwider, und ich wich ihnen damit aus, da#223; ich einen Streit heraufbeschwor, was bei Emerson sehr leicht ging. Wir marschierten also schweigend weiter.

Endlich erreichten wir einen ziemlich abgelegenen Platz in den Klippen; man hatte geglaubt, das Grab sei damit sicherer vor R#228;ubern, doch die k#246;nigliche Mumie war schon vor Jahrhunderten verschwunden.

Nat#252;rlich war Emerson nicht so voll atemloser Ehrfurcht wie ich, als wir, mit brennenden Kerzen ausger#252;stet, endlich den ersten Gang betraten, der zur Grabkammer f#252;hrte. Der Hauptkorridor wies eine tiefe Grube auf, und so mu#223;ten wir noch einmal umkehren und einen anderen Weg nehmen. Wir kamen durch drei kleine R#228;ume mit halbverfallenen Reliefs, die den Tod und das Begr#228;bnis einer k#246;niglichen Prinzessin darstellten, einer von Khuenatens T#246;chtern. Sie war jung gestorben und sah auf der Darstellung sehr pathetisch aus. Der Kummer der Eltern war eigenartig r#252;hrend. Fast h#246;rte man ihre Seufzer

Und was ich in diesem Moment h#246;rte, war, wie ich meinte, auch ein Seufzen oder St#246;hnen, und dann krachten Steine herab. Mich #252;berlief eine G#228;nsehaut, und ich lie#223; die Kerze fallen. Das, was ich dann sagte, war nicht sehr damenhaft, und deshalb wiederhole ich es hier nicht.

Emerson bediente sich einer noch viel kr#228;ftigeren Sprache, als er auf dem stein#252;bers#228;ten Boden herumkroch, um meine Kerze zu finden. Dann schaute er mich pr#252;fend an. »Peabody, Sie sind zwar eine Frau, aber keine N#228;rrin«, sagte er. »Sie wissen, was dieses Ger#228;usch zu bedeuten haben k#246;nnte. Sie werden doch nicht schreien oder ohnm#228;chtig werden?«

Ich warf ihm einen Blick zu, der ihn eigentlich zum

Verwelken h#228;tte bringen m#252;ssen, und verlie#223; schweigend die Grabkammer. Emerson folgte mir. Allerdings hatte ich f#252;r die Reliefs nicht mehr viel Sinn, denn ich konnte mir vorstellen, was uns am Eingang erwartete.

Wir gruben lange, sehr lange, bis wir einiges von dem gest#252;rzten Gestein weggeschafft hatten. Eine Kerze war schon niedergebrannt, und die zweite war auch schon sehr klein. Endlich h#246;rten wir von drau#223;en ein Ger#228;usch, dann sogar Worte, arabische Worte - und Abdullahs Stimme. Er wollte wissen, ob wir drinnen seien.

»Nat#252;rlich sind wir hier«, schrie Emerson erbost. »Du Sohn eines blinden, krummbeinigen Esels, wo sollten wir sonst sein?«

Dieser Frage folgte ein schauerliches Freudengeheul. Ihm folgte eine andere Stimme. »Nur Mut, Mi#223; Amelia! Lucas ist am Werk!«

Obwohl ich nun, da ich dies schreibe, allein bin, z#246;gere ich, die Gedanken, die mich da #252;berfielen, zu Papier zu bringen. Emerson war kein Schw#228;chling, doch als er seine Brust an die meine dr#252;ckte, ahnte ich seine St#228;rke, und ich dachte ... und erwartete ... Nun, warum soll ich's nicht zugeben? Ich dachte also, er umarme mich, weil die Freude #252;ber die unerwartete Rettung seinen Geist verdunkelt habe.

Bald wurde mir jedoch klar, wie absurd das war. Ein f#252;rchterliches Rattern folgte, gro#223;e Steine und Felsbrocken kollerten herab und krachten an die W#228;nde, und wer wei#223;, was mir passiert w#228;re, h#228;tte Emerson mich nicht mit seinem K#246;rper gesch#252;tzt. Ich war ganz au#223;er Atem, als er mich loslie#223;, er aber auch. Wir pumpten uns mit der hei#223;en, sauberen Luft von drau#223;en voll, doch nach der Dunkelheit blendete uns die Sonne.

Da sah ich, da#223; Emerson an der Wand lehnte und sein Arm in einem sonderbaren Winkel vom K#246;rper wegstand.

Dicker Schwei#223; lief ihm #252;ber das verstaubte Gesicht. Abdullah und Lucas kletterten #252;ber die Felsen herauf.

»Du verdammter Narr«, sagte er zu Abdullah.

»Oh, Herr, du bist ja verletzt«, stellte Abdullah fest.

»Mir fehlen die Worte ... Ein erfahrener Vormann und anschieben wie eine Ramme ... du Vollidiot ...«

»Ich sagte ihm, er soll langsam tun, aber mein Arabisch ist eben sehr d#252;rftig«, warf Lucas ein, und seine schuldbewu#223;te Miene best#228;tigte mir, da#223; wohl er an dem Ungl#252;ck schuld sein m#252;sse.

»Ist Ihr Arm gebrochen?« fragte ich Emerson.

»Nein, ausgerenkt.« Er bi#223; die Z#228;hne zusammen. »Ich mu#223; zur#252;ck. Walter wei#223;, wie .«

»So weit k#246;nnen Sie nicht laufen.«

»Kann ich, wenn ich mu#223;«, widersprach er, aber seine Knie wurden weich.

»Sie m#252;ssen ja gar nicht«, erkl#228;rte ich ihm. »Ich wei#223;, wie unser Arzt zu Hause das macht. Wenn Sie also . Spa#223; wird es Ihnen keinen machen.«

»Ihnen auch nicht«, erwiderte er.

Ich ziehe es vor, die Prozedur nicht zu beschreiben, wir waren wirklich alle froh, als sie vor#252;ber war. Zum Gl#252;ck hatte Abdullah Wasser mitgebracht, und wir konnten unseren Durst l#246;schen. Ich opferte einen meiner Unterr#246;cke und band Emersons Arm an seinen K#246;rper, um ihn ruhigzustellen. Leider machte er dazu wieder ein paar ganz ungeh#246;rige Bemerkungen.

Der R#252;ckweg war lang und m#252;hsam, aber Lucas erz#228;hlte uns, wie er uns zuf#228;llig gefunden habe. Der Besitzer seines Esels hatte ihn und das Tier im Stich gelassen, als er zum Lager ritt, und jetzt wollte er den Esel zur#252;ckhaben. »Ich bot ihm an, das elende Tier zu kaufen, damit es Evelyn zur Verf#252;gung habe, aber pl#246;tzlich sah ich mich einer heulenden Horde von Dorfbewohnern gegen#252;ber.

Was sollte ich da machen, wenn man mich daran hinderte, den Esel zu kaufen? Auf dem R#252;ckweg zum Lager traf ich Abdullah, und er sagte mir, Sie seien zum K#246;nigsgrab gegangen. Nach meinem Abenteuer machte ich mir Sorgen um Sie. Gl#252;cklicherweise, m#246;chte ich sagen.«

»Dann haben Sie also den Steinschlag nicht gesehen?« fragte Emerson.

»Nein.«

»Aber das war kein Zufall«, knurrte er. »Warum ist das gerade da passiert, als wir im Grab waren?«

»Wir hatten dabei doch einiges Gl#252;ck«, machte ich geltend, aber Emerson brummte dazu nur etwas.

Wir waren noch etwa eine Meile vom Lager entfernt, als uns Walter und Evelyn entgegenkamen. Sie hatten sich wegen unserer langen Abwesenheit Sorgen gemacht, und als wir ihm von unserem Pech erz#228;hlten, meinte er nachdenklich, das sei Wasser auf die M#252;hlen der abergl#228;ubischen Dorfbewohner.

»Und wissen werden sie's«, sagte ich, »einer wei#223; es ganz bestimmt.«

»Dann glauben Sie also, da#223; es kein Unfall war?« rief Lucas. Er schien die ganze Sache als Abenteuer zu betrachten, und dar#252;ber #228;rgerte ich mich.

»Jedenfalls bleiben wir in Zukunft im Lager«, sagte ich kurz. »Vielleicht war nicht beabsichtigt, uns ernstlichen Schaden zuzuf#252;gen, aber .«

»Das kann man nie wissen«, unterbrach mich Walter. »Ebensogut h#228;tte ein Stein meinen Bruder am Kopf treffen k#246;nnen.«

»Verletzt wurde Ihr Bruder ja, als wir befreit wurden, nicht vorher«, berichtete ich. »Der Steinschlag konnte kaum inszeniert worden sein, um uns zu ermorden. Sie h#228;tten ja nach uns gesucht, wenn wir zu lange nicht gekommen w#228;ren. Ich glaube, es war ein Unfall.«

»Und wenn Peabody so sagt, dann ist das so gut wie das Wort des Propheten«, bemerkte Emerson dazu.

Den Rest des Weges legten wir schweigend zur#252;ck.

Mir fiel dann auf, da#223; Evelyn sehr bla#223; und bedr#252;ckt war. »Hat Lucas dich ge#228;rgert?« fragte ich sie, als wir allein waren.

»Er hat mich gefragt, ob ich ihn heirate«, antwortete sie. »Aber du kennst ja meine Gef#252;hle. Den Mann, den ich liebe, kann ich nicht heiraten, und einen anderen will ich nicht.«

»Da irrst du aber«, erwiderte ich bestimmt. »Walter liebt dich, und das kannst du nicht leugnen. Du bist ungerecht, wenn du ihm keine Chance gibst.«

»Damit er meine Schande erf#228;hrt? Nun, Amelia, falls er mich je fragen sollte - dann erf#228;hrt er alles.«

»Klar, das mu#223;t du tun. Jedenfalls ist es besser, er h#246;rt die Geschichte von dir als von anderer Seite. Er ist ein feiner Bursche, Evelyn. Ich mag ihn. Er w#252;rde niemals .«

»Er ist ein Mann«, unterbrach sie mich voll so #252;berlegener Weisheit, da#223; ich gelacht h#228;tte, w#228;re die Sache nicht so ernst gewesen. »Und welcher Mann k#246;nnte einer Frau einen solchen Fehltritt verzeihen?«

»Ah, bah!« rief ich.

»Wenn ich ihm etwas zu bieten h#228;tte . ein Verm#246;gen .«

»Was? Du glaubst, wegen dieses Fehltrittes w#252;rde er dich verachten, dich aber akzeptieren, wenn du ihm ein Verm#246;gen br#228;chtest?«

»Amelia, du sprichst, als seist du hundert Jahre alt, und dabei ist Walter nur ein paar Jahre j#252;nger als du; und du bist auch noch nicht alt. Au#223;erdem wirst du immer j#252;nger, immer attraktiver.«

»Komm, komm, Evelyn, jetzt #252;bertreibst du. Ich rui-niere meine Kleider, meine Haut ist sonnenverbrannt, meine H#228;nde sind zerschunden. Vergi#223; mich und la#223; uns von dir sprechen. Wenn du nur auf mich h#246;ren wolltest ...«

»In diesen Dingen kann ich nur meinem eigenen Gewissen folgen.«

»Aber das ist schrecklich! Du liebst doch dieses Leben. Du siehst zart aus, hast aber einen eisernen Willen. Du k#246;nntest f#252;r Walter die beste nur denkbare Gef#228;hrtin sein.«

»Du liebst dieses Leben, Amelia. Und du w#228;rst die beste nur denkbare Arch#228;ologin.«

»Hm. Ganz unrecht hast du da nicht. Schade, da#223; ich kein Mann bin. Emerson w#252;rde mich als Kollegen akzeptieren. Welch herrliche Zeit h#228;tten wir! Arbeit und Streit in sch#246;ner Abwechslung. Emerson w#252;rde mir recht geben. Schade, da#223; ich eine Frau bin.«

»Das glaube ich nicht, Amelia«, meinte sie l#228;chelnd.

»Du k#246;nntest doch Lucas' Angebot annehmen. Das hei#223;t, sein Geld«, dr#228;ngte ich. »Moralisch geh#246;rt sowieso die H#228;lfte des Verm#246;gens deines Gro#223;vaters dir. Und wenn du glaubst, Walter w#252;rde ...«

»Nein, das w#228;re nicht ehrlich. Nein, Amelia. Ich kann Lucas nicht heiraten, und deshalb will ich auch keinen Penny von ihm. Willst du mich denn unbedingt loshaben? Ich habe mich so darauf gefreut, mit dir alt zu werden, Wolle abzuwickeln, Katzen zu haben und einen Garten zu pflegen und . Aber, Amelia, warum weinst du? Nein, du darfst doch nicht weinen!«

Sie legte die Arme um mich, und wir weinten gemeinsam. Ich wu#223;te gar nicht, weshalb ich weinte, aber irgendwie war es tr#246;stlich. Also leistete ich mir den Luxus eines Gef#252;hls.

»Ich liebe dich doch, Amelia«, schluchzte Evelyn. »Du bist mir wie eine liebe Schwester. Deine G#252;te, dein Humor, deine himmlische Geduld .«

»Geduld, sagst du? Meine liebe Evelyn, Geduld habe ich keine, und mein Temperament ist teuflisch, und st#246;rrisch bin ich wie ein Muli. Aber weine nicht mehr, Liebes. Gott wird es schon recht machen f#252;r dich und mich. Es pa#223;t mir ja manchmal gar nicht, was er #252;ber mich bestimmt, aber was immer auch geschieht, ich will nicht ruhen, bis du den Mann bekommst, den du verdienst. Hier, nimm das Taschentuch und trockne deine Augen. Aber dann gibst du's mir zur#252;ck, ich brauche es auch.«

»Willst du mich behalten, damit ich Wolle abwickeln, Garten pflegen und Katzen haben kann, wenn du verheiratet bist?« fragte sie.

»Das ist die allerd#252;mmste Frage, meine Liebe, die du je gestellt hast«, antwortete ich. »Und wir haben allerhand dummes Zeug geredet.«