"Im Schatten des Todes" - читать интересную книгу автора (Питерс Элизабет)8. KapitelWir hatten frische Kleider an, als wir aus dem Grab kamen. Die M#228;nner waren schon versammelt. Lucas hatte sich viele Sachen bringen lassen, als wolle er mitten in der W#252;ste einen Laden einrichten. Der Tisch war mit Blumen, Silberzeug und Kristall geschm#252;ckt. Emerson betrachtete mit einer Mischung aus Unverst#228;ndnis und Abscheu die elegante Aufmachung. Und Lucas trug einen teuren, makellosen Anzug. Er benahm sich, als sei er unser Gastgeber, auch dazu sagte Emerson nichts, sondern musterte nur seine mitgenommenen Stiefel. Seine Schulter mu#223;te ihm noch schmerzen, sonst h#228;tte er sicher einige bissige Bemerkungen gemacht. Lucas servierte Sherry. »Halten Sie ein alkoholisches Getr#228;nk bei dieser Hitze nicht f#252;r unangebracht?« fragte ich. »Wir m#252;ssen heute abend doch frisch sein.« »Oh, ein Schluck Whisky oder dergleichen sch#228;rft immer meine Sinne«, erwiderte Lucas, »und ich kann eine Menge vertragen.« »Das meint jeder Trinker«, bemerkte Walter anz#252;glich. »Du mu#223;t ja deine ganze Dahabije mit Luxus vollgestopft haben«, warf Evelyn ein. »Dieser Luxus ist zwar sch#246;n, doch wir sind ihn hier nicht gew#246;hnt.« »Wenn es nach mir gegangen w#228;re, h#228;tte mein Boot noch ganz andere Dinge mitgebracht, Evelyn. Deine Kisten sind in Kairo angekommen. Ich wollte sie mitbringen, aber dieser alte B#228;r Baring hat sie mir nicht ausgeh#228;ndigt.« »Nein, wirklich?« sagte ich. »Er war mit meinem Vater befreundet.« »Das wei#223; ich. Die Kisten waren auch an Sie adressiert, weil der Konsul in Rom keine andere Adresse f#252;r Evelyn hatte. Baring bewacht sie wie ein Kettenhund. Ich erkl#228;rte ihm meine Beziehung zu Evelyn, doch er lie#223; sich nicht erweichen.« »Vielleicht ist Ihr Ruf Ihnen vorausgeeilt«, bemerkte ich milde. Leider war es unm#246;glich, Lucas zu beleidigen, denn er lachte und erkl#228;rte, er sei mit einem jungen Verwandten Barings auf der Universit#228;t gewesen, und der habe wohl etwas zuviel erz#228;hlt. »Aber«, wandte er sich an Evelyn, »eines Tages wirst du sowieso bekommen, was dir zusteht, und ich werde dich #252;berreden, es anzunehmen. Doch alle Sch#228;tze der Pharaonen k#246;nnten dir nicht das geben, was du verdienst.« Der arme Walter war eifers#252;chtig, Evelyn verlegen, nur Emerson schien unger#252;hrt zu sein. »Peabody, ich w#252;rde vorschlagen, da#223; Sie uns sagen, was wir heute f#252;r unsere abendliche Unterhaltung zu tun haben«, forderte er mich auf. »Dar#252;ber habe ich noch nicht nachgedacht«, antwortete ich. »Evelyn sollte, meine ich, die kleine Prinzessin aus dem k#246;niglichen Grab kopieren. Das w#228;re wundervoll. Nein, nicht unbedingt heute«, schnitt ich Lucas' Einwand ab. »Irgendwann. Sie scheinen gar nicht zu ahnen, welch gro#223;e K#252;nstlerin in Evelyn steckt. Sie hat das jetzt vernichtete Pflaster kopiert.« Lucas wollte die Kopien unbedingt sehen und lobte sie #252;ber alle Ma#223;en, und nun #252;berreichte er Emerson auch das versprochene Pergament. Er hatte es zwischen zwei Glasscheiben legen lassen und in einem flachen, geschnitzten Holzbeh#228;lter aufgehoben. F#252;r diese Umsicht sprach ihm Emerson sogar ein widerwilliges Lob aus. Es schien ein ziemlich gut erhaltenes Exemplar zu sein, war altersbraun und kr#252;melte an den Kanten. Die schwarze Schrift hob sich sehr gut von dem Braun ab. Manche Worte waren in roter Tusche geschrieben, die jedoch zu einem fahlen Rostbraun verbla#223;t war. Nat#252;rlich konnte ich nichts von der Schrift entziffern, doch ein paar V#246;gel lie#223;en sich klar erkennen. »Walter, kannst du das lesen?« wollte Emerson wissen. »Sie werden doch nicht behaupten wollen, da#223; Master Walter dieses Gekritzel lesen kann?« fragte Lucas erstaunt. »Master Walter«, erkl#228;rte Emerson trocken, »ist einer der besten Kenner alter Sprachen der ganzen Welt. Ich verstehe ein bi#223;chen was davon, aber ich bin in erster Linie Ausgr#228;ber. Walter ist Philologe. Nun, Walter?« »#220;bertreib nicht, Radcliffe«, warnte Walter. »Diesen Papyrus mu#223; ich Frank Griffith zeigen. Er ist jetzt bei Pe-trie in Naucratis. Ein paar Zeilen kann ich jedenfalls lesen. In dieser Schrift wurden Dokumente geschrieben, weil die Hieroglyphen f#252;r ein vielbesch#228;ftigtes K#246;nigreich viel zu m#252;hsam waren. Das hier sind also die vereinfachten Hieroglyphen. Dieses Wort hier bedeutet zum Beispiel gt;Schwesterlt;, doch es wurde auch f#252;r gt;Z#228;rtlichkeitlt; gebraucht.« »Ja, ein Liebhaber hat seine Liebste als gt;Schwesterlt; angesprochen«, bekr#228;ftigte Emerson. »Sie ihn als gt;Bruderlt;. Und das hier scheint ein Gedicht zu sein.« »Gro#223;artig!« rief Lucas. »K#246;nnen Sie's lesen?« »Ein paar Zeilen . Sie h#228;tten das Pergament nicht aufrollen sollen, denn dadurch wurde es ernstlich besch#228;digt. Hier, das hei#223;t so: Ich gehe mit dir hinab zum Wasser und kehre zu dir zur#252;ck mit einem roten Fisch, der sch#246;n ist auf meiner Hand. Dann sind die Liebenden am Flu#223; oder an einem Teich. Dort lassen sie sich vom k#252;hlen Wasser umschmeicheln ... Und hier geht es lesbar weiter: Die geliebte Schwester weilt auf der anderen Seite, und breites Wasser trennt uns. Ein Krokodil wartet auf der Sandbank. Doch ich gehe ins Wasser und schreite auf den Wellen. Mein Herz ist tapfer in den Fluten, denn ihre Liebe macht mich stark.« Ich wei#223; nicht, was mich mehr beeindruckte, die anmutige Zartheit des Gedichtes oder das K#246;nnen des bescheidenen jungen Mannes. »Wie sch#246;n ist es doch, zu wissen, da#223; solche Gef#252;hle so alt sind wie die Menschheit!« rief ich begeistert. »Ich finde es ausgesprochen verr#252;ckt«, warf Lucas ein. »Ein junger Mann, der ins Wasser springt, das von Krokodilen wimmelt, verdient es nicht besser, als da#223; er aufgefressen wird.« »Das Krokodil ist ein Symbol f#252;r die Gefahren, die ein wahrer Liebender f#252;r eine Geliebte auf sich nimmt«, erkl#228;rte ich ihm ziemlich ungehalten und erhielt daf#252;r Walters Beifall und L#228;cheln. »Es ist ein Risiko, die alten #196;gypter entr#228;tseln zu wollen, Peabody«, bemerkte Emerson brummig. »Wahrscheinlich hat der junge Mann mit den Krokodilen nur geprahlt, denn kein vern#252;nftiger Bursche w#252;rde sich freiwillig in eine solche Gefahr begeben.« Ich wollte etwas darauf sagen, aber Evelyn begann schrecklich zu husten. Inzwischen war es auch schon fast Abend geworden, und es gab dann einen der pr#228;chtigsten Sonnenunterg#228;n-ge, die wir je erlebt hatten. Breite blutrote und purpurfarbene B#228;nder waren von durchsichtig blauen, gold- und kupferfarbenen durchzogen, und diese Farben glichen eindeutig denen von alten #228;gyptischen Keramiken. Aber diese Pracht hatte etwas Drohendes an sich. Pl#246;tzlich stand Michael neben mir, den ich den ganzen Tag #252;ber nicht gesehen hatte. Er m#252;sse unbedingt mit mir sprechen, erkl#228;rte er. »Aber erst nach dem Essen«, bestimmte Lucas. »Michael, du wirst nicht gebraucht. Meine Diener tragen die Mahlzeit auf. Mi#223; Peabody wird sp#228;ter mit dir sprechen.« »Lucas, das geht wirklich nicht«, protestierte ich, als Michael au#223;er H#246;rweite war. »Ich lasse es nicht zu, da#223; Sie meinen Diener kr#228;nken.« »Ah, wenigstens ist das Eis gebrochen, und Sie sprechen mich mit meinem Vornamen an!« Lucas lachte breit. »Mi#223; Amelia, darauf m#252;ssen wir trinken.« »Ich will nicht, wir haben schon zuviel getrunken. Und wegen Michael .« »So viel L#228;rm um einen windigen Diener«, meinte Lucas ver#228;chtlich. »Ich glaube, ich wei#223;, weshalb er mit Ihnen reden will, und an Ihrer Stelle w#228;re es mir gar nicht eilig, es zu h#246;ren. Er will n#228;mlich gehen, weil er ein Feigling ist. Nat#252;rlich gibt er bessere Gr#252;nde an als Feigheit. Er ist ja schlie#223;lich auch ein Eingeborener, und die sind #252;berall gleich. Sie sind ebenso abergl#228;ubisch wie habgierig.« »Bisher hatte ich immer den Eindruck«, widersprach ihm Emerson, »da#223; es weniger die Unwissenden waren, die sich vom Geld verf#252;hren lie#223;en.« »Und ich kann nicht glauben, da#223; mein treuer Michael mich verlassen will, und deshalb werde ich dann auch mit ihm sprechen«, erkl#228;rte ich bestimmt. Zu meinem Bedauern mu#223; ich zugeben, da#223; Lucas recht behielt. Michael war nirgends zu finden, doch da#223; er tats#228;chlich verschwunden war, stellten wir erst fest, als wir unsere Vorbereitungen f#252;r die Nacht trafen. Die Diener von Lucas waren l#228;ngst gegangen, und so konnte ich sie nicht nach Michael fragen. Nat#252;rlich machte Lucas sehr abf#228;llige Bemerkungen #252;ber ihn. Schlie#223;lich dr#228;ngte er, wir sollten unsere Pl#228;ne machen. »Nun, dann lassen Sie h#246;ren, was Sie zu sagen haben«, forderte ihn Emerson auf. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, weshalb Emerson Lucas' Vorschl#228;gen so aufgeschlossen begegnen wollte, denn ich wu#223;te, wie wenig er von ihm hielt. Lucas war schlie#223;lich viel j#252;nger und auch recht unerfahren. »Na, sch#246;n.« Lucas blies sich sichtlich auf. »Ich sehe keine Notwendigkeit, das Dorf zu bewachen. Wenn Ihr Schurke Sie verjagen will, dann kommt er hierher, und hier m#252;ssen wir auch unsere Kr#228;fte konzentrieren, ohne jedoch etwas davon sehen zu lassen. Sie haben ihn ja schon einmal verscheucht. Er kam ja, wenn man Mi#223; Amelias Aussagen Glauben schenkt, bis zum Eingang ihrer Wohnung .« »Und da war er auch!« fuhr ich auf. »Sicher, gewi#223; . Ich wollte ja auch nicht . Und als Evelyn ihn in der folgenden Nacht sah, kam er vielleicht nur bis zum unteren Hang. Zum Sims kam er sowieso nie. Er scheint gewu#223;t oder mindestens geahnt zu haben, da#223; Sie auf ihn warten.« Ich sp#252;rte Walters wachsenden Zorn #252;ber Lucas' #220;berheblichkeit und war daher gar nicht erstaunt, da#223; er, nur m#252;hsam beherrscht, einwarf: »Sie m#246;chten also unterstellen, Lord Ellesmere, da#223; dieses elende Wesen Abdullah und mich sah. Ich versichere Ihnen .« »Nein, mein Lieber, ich m#246;chte nur sagen, da#223; Ihr Freund Mohammed vorher gewarnt worden war!« Emer-sons Protestschrei #252;berh#246;rte er gro#223;z#252;gig und fuhr fort: »Ja, Michael, er mu#223; mit den Dorfbewohnern zusammenarbeiten. Ganz gewi#223; haben sie ihm einen Beuteanteil versprochen.« »Beuteanteil?« rief Evelyn au#223;erordentlich emp#246;rt. »Die sind ja so arm, da#223; sie nicht einmal ihre Kinder kleiden k#246;nnen.« »Ich sehe schon, es wurde nicht v#246;llig durchdacht«, erwiderte Lucas #252;berlegen. »Ich habe ja einigen Abstand von den Dingen, die in den letzten Tagen hier passiert sind. Ich fragte mich n#228;mlich nach den Motiven dieser Menschen. Bosheit ist keine ausreichende Erkl#228;rung, denn sie brauchen das Geld, das ihnen bezahlt wird. Aber diese Fellachen haben seit Jahrhunderten die Gr#228;ber ausgeraubt, und ihre Funde f#252;llen die L#228;den in Kairo und Luxor. Ihr Arch#228;ologen beklagt euch, da#223; euch die Einheimischen bei jedem Grab eine Nasenl#228;nge voraus sind. Ich nehme daher an, da#223; die Dorfbewohner k#252;rzlich ein Grab mit vielversprechendem Inhalt entdeckten, sonst w#252;rde ihnen nicht soviel daran liegen, Sie wegzutreiben, bevor Sie es finden k#246;nnen.« Nat#252;rlich hatte ich dar#252;ber auch schon nachgedacht, den Gedanken aber wieder verworfen. »Das hie#223;e ja«, gab ich zu bedenken, »da#223; die Dorfbewohner mit Mohammed unter einer Decke steckten. Wenn Sie jedoch den zitternden alten B#252;rgermeister gesehen h#228;tten .« »Damen sind immer zu vertrauensselig, und die Dorfbewohner sind L#252;gner und Schurken«, unterbrach mich Lucas. »Wenn ein solches Grab existierte, k#246;nnte mich nur ein Erdbeben vertreiben«, erkl#228;rte Emerson. »Nat#252;rlich«, pflichtete ihm Lucas bei. »Um so mehr Grund, die Mumie zu fangen, ehe sie ernstlichen Schaden anrichten kann.« »Das Problem ist noch lange nicht gel#246;st, wenn wir die Mumie fangen«, gab Walter zu bedenken. »Sie sagten doch selbst, das ganze Dorf wisse, da#223; die Mumie nur ein Schreckgespenst ist. Selbst wenn wir sie fangen, #228;ndert das nichts an der Absicht, uns zu vertreiben.« »Aber wir haben eine Geisel, den Sohn des B#252;rgermeisters. Er mu#223; uns zu dem Grab f#252;hren, und dann bitten wir in Kairo um Verst#228;rkung. Und wir k#246;nnen die Bootsmannschaften zur Bewachung des Grabes abstellen, wenn wir erst den Fluch als unwirksam entlarvt haben. Sie halten die Dorfbewohner sowieso f#252;r Wilde. Gemeinsam ist ihnen nur die Angst vor den Toten.« »Ich glaube niemals, da#223; Michael der Verr#228;ter ist«, sagte ich, »aber wenn, dann wird er das Dorf vor unseren Pl#228;nen f#252;r diese Nacht warnen. Die Mumie wird also sehr vorsichtig sein.« »Welch scharfen Geist Sie doch haben!« rief Lucas voll Bewunderung. »Das ist richtig, aber es mu#223; ja so aussehen, als seien wir nicht im geringsten mi#223;trauisch, so da#223; wir die Mumie um so sicherer in die Hand bekommen. Nun, ich scheine zum Beispiel etwas mehr getrunken zu haben, als gut ist, aber ich will den Anschein erwecken, fest zu schlafen. H#228;tten Sie, Gentlemen, das nur auch getan! Es w#228;re viel #252;berzeugender gewesen. Haben Sie Vorschl#228;ge?« Es wurden einige gemacht und verworfen, so der von Emerson, er wolle eine ganze Flasche Wein austrinken und dann anscheinend schlafend und betrunken im Sand liegen. Und Evelyn erbot sich, nach Mitternacht zu einem Spaziergang aufzubrechen, doch dagegen protestierten wir alle - bis auf Lucas. »Warum nicht?« meinte er. »Gefahr besteht doch keine. Der Schurke will nur einen von uns allein haben, um einen dummen Streich zu spielen.« »Halten Sie das etwa f#252;r einen dummen Streich?« rief Emerson emp#246;rt und deutete auf seine verletzte Schulter. »Sie sind total verr#252;ckt. Und du, Walter, h#228;ltst #252;berhaupt den Mund, wenn du nicht ruhig sprechen kannst.« »Wie kann man dar#252;ber ruhig sprechen?« fuhr Walter auf. »Ich wei#223; noch genau, was Mohammed, dieses Schwein, sagte, als wir im Dorf waren.« »Lucas wei#223; das doch nicht, Walter«, versuchte ihn Evelyn zu beruhigen. »Ich wei#223; es, denn ich h#246;rte Amelia und Mr. Emerson dar#252;ber sprechen. Mein Vorschlag erscheint unter diesen Umst#228;nden sicher vern#252;nftiger.« Lucas wollte nun wissen, wor#252;ber gesprochen wurde, und ich sah keinen Grund, es ihm zu verheimlichen. Aber ich f#252;gte am Schlu#223; hinzu: »Evelyn, es ist reine Eitelkeit, wenn du annimmst, da#223; die Mumie nur an dir interessiert ist. Mohammed sah mich an, als er sprach, und ich finde es daher nur vern#252;nftig, wenn ich dich auf diesem Spaziergang begleite. Die Mumie hat also die Auswahl zwischen etwas Knusprigem und einer reiferen Dame.« Davon wollte jedoch Emerson nichts wissen. »Aber weshalb?« wandte ich ein. »Glauben Sie wirklich, ich sei f#252;r eine Mumie nicht mehr anziehend genug? Da mu#223; ich aber schon sehr bitten, mich nicht zu beleidigen.« »Sie sind eine N#228;rrin, Peabody«, fuhr mich Emerson w#252;tend an. »Und wenn Sie glauben, ich w#252;rde etwas so Bl#246;des, Kindisches, Verr#252;cktes ...« Es wurde dann etwa so gemacht, wie ich es vorschlug. Wir diskutierten den Plan ausf#252;hrlich. Wir, das waren Evelyn, Lucas und ich, denn Emerson knurrte nur, und Walter schwieg bockig. Er nahm Evelyns Verhalten als Beweis daf#252;r, da#223; zwischen ihr und Lucas volles Einvernehmen herrschte, und ich lie#223; ihn in dem Glauben, um eventuellen Spionen einen Streit zu demonstrieren und sie so in die Irre zu f#252;hren. Schlie#223;lich zog Lucas sogar eine Pistole. »Ich werde mich immer in Evelyns N#228;he halten«, fl#252;sterte er. »Unser bandagierter Freund wird Respekt vor diesem Ding haben, und wenn nicht, werde ich nicht z#246;gern, die Waffe auch zu gebrauchen.« »Und was ist mit mir?« fragte ich. Emerson konnte die Gelegenheit nicht ungenutzt vor#252;bergehen lassen. »Gott besch#252;tze jeden, der sich mit Ihnen anlegt, Peabody«, erkl#228;rte er bitter. »Wir sollten dem Ding, um ihm die gleiche Chance zu geben, auch eine Pistole geben.« Damit ging er, und Walter folgte ihm. Lucas rieb sich die H#228;nde. Er schien das Abenteuer gar nicht mehr erwarten zu k#246;nnen. Ich ging dann auch, obwohl ich Evelyn nicht gerne mit ihm allein lie#223;. Sie hatte mir n#228;mlich vorgeschlagen, meinen ganzen Plan noch einmal zu #252;berdenken. Es war dann eine recht einseitige Auseinandersetzung, die ich damit beendete, da#223; ich mein Bettzeug nahm und in Michaels Zelt umzog. Dort konnte ich kein Licht machen, denn es war kein richtiges englisches Zelt, sondern nicht viel mehr als eine d#252;nne Plane, die mir nicht einmal erlaubte, aufrecht zu stehen. Ich mochte noch immer nicht daran glauben, da#223; Michael mich verlassen haben sollte, und beschlo#223;, das Zelt zu durchsuchen in der Hoffnung, irgendeinen Hinweis zu finden. Michaels geringe Besitzt#252;mer waren nicht mehr da, doch ich fand im Sand begraben einen metallenen Gegenstand, den ich im Mondlicht als sein Kreuz erkannte. Ein St#252;ck der Kette war daran, also war sie wohl abgerissen worden. Dieses Kreuz war Michaels einziges Wertst#252;ck und ein Amulett gegen alles B#246;se; also h#228;tte er es niemals freiwillig zur#252;ckgelassen. Und die Kette mu#223;te w#228;hrend eines Kampfes abgerissen worden sein. Ich suchte nach weiteren Beweisen, fand aber nichts mehr. Die Zeit verging sehr schnell, weil ich mich so in diese mysteri#246;se Sache vertieft hatte. Da h#246;rte ich von drau#223;en ein Ger#228;usch. Ich legte mich platt auf den Boden, hob eine Zeltkante an und sp#228;hte hinaus. Nichts war zu sehen, nicht einmal die Eing#228;nge zu den Gr#228;bern. Das war also ung#252;nstig, denn ich wollte ja Evelyn beistehen k#246;nnen, falls sie von der Mumie angegriffen wurde; wenn ich ehrlich war, so glaubte ich nicht, da#223; sie hinter mir her war. Ich kroch also aus dem Zelt zum Ende eines niederen Felsr#252;ckens und schaute mich vorsichtig um. Fast h#228;tte ich aufgeschrien, denn nur ein paar Schritte entfernt sah ich das Ding, direkt hinter dem Felsr#252;cken. Wir behaupten alle, nicht abergl#228;ubisch zu sein, da wir einem aufgekl#228;rten Zeitalter entstammen, aber tief innen wimmerte ich doch. Es war auch ein schrecklicher Anblick. In diesen Breiten l#228;#223;t die klare, trockene Luft jeden Umri#223; deutlich hervortreten, doch das Mondlicht kann auch tr#252;gen. Helle Gegenst#228;nde nehmen eine bl#228;#223;lich gr#252;ne Farbe an, die an Knollenbl#228;tterpilze erinnert, und so sah auch die Mumie aus, die aus sich heraus ein wenig zu leuchten schien. Die bandagierten H#228;nde glichen den Stummeln von Leprakranken, und sie waren wie zur Anrufung eines Gottes erhoben. Sie hatte mir den R#252;cken zugewandt; der Kopf war leicht nach r#252;ckw#228;rts geneigt, als schauten die augenlosen H#246;hlen zum Sims. Evelyn mu#223;te nun gleich das Grab verlassen und dem Sims folgen. Vier starke M#228;nner lagen in der N#228;he auf Lauer. Und da tauchte auch schon ihr Licht unter dem Eingang der Grabkammer auf. Sie schaute zu den Sternen hinauf, und ich wu#223;te, da#223; sie nun ihren ganzen Mut zusammennahm. Sie konnte die Mumie nicht sehen, denn in dem Augenblick, da sie aus der Kammer trat, war das Ding am Fu#223; der Klippe hinter einem Felsen verschwunden. Ich habe vorher erw#228;hnt, da#223; vier starke M#228;nner warteten, doch dessen konnte ich nicht so v#246;llig sicher sein. Wenn Emerson auch #252;ber mich immer schnieft, so bin ich doch keine dumme Person, denn ich hatte mir bereits etwas #252;berlegt, das auch meinen intelligenteren Lesern schon eingefallen sein mu#223;te. Mein Gehirn arbeitete also fieberhaft. Walter hatte fest und steif behauptet, Mohammed habe das Dorf nicht verlassen, als uns die Mumie besuchte. Und ich mu#223;te, wenn auch ungern, Emerson darin beipflichten, da#223; ein solches Komplott von dem #196;gypter kaum zu erwarten sei. Mohammed war f#252;r solche #220;berlegungen viel zu wenig intelligent, sie entsprachen eher europ#228;isch-romantischen Vorstellungen. Wenn also Mohammed nicht die Mumie war, wer dann? Ein bestimmter Name hatte sich in meinem Kopf eingenistet, denn dahinter steckte nicht nur eine fruchtbare, wenn auch oberfl#228;chliche Intelligenz, sondern auch ein bizarrer Sinn f#252;r Humor. Die gr#246;#223;te Frage war dabei die nach dem Motiv. Warum sollte Lucas, Lord Ellesmere, seine Base auf so absurde Art erschrecken wollen? Oder wollte er mir Angst einjagen? Ich konnte mir nur vorstellen, da#223; Lucas Evelyn so zu #228;ngstigen versuchte, da#223; sie bei ihm Schutz suchte und #196;gypten verlie#223;. Er war aber nicht gescheit genug, zu erkennen, da#223; ein solcher Plan nicht gelingen konnte. Ich hielt also Lucas f#252;r den Schurken, und ich wollte auch, da#223; er's war: ein gef#228;hrliches Krokodil, das dem Liebsten seiner Geliebten auflauerte, um selbst ihr Herz zu gewinnen. Der Instinkt einer Frau, finde ich, liegt immer richtiger als die Logik. Deshalb wartete ich ja auch so gespannt, ob Lucas zu Evelyns Rettung herbeieilen w#252;rde. Evelyn folgte dem Pfad, der sie aus der Sicherheit wegf#252;hrte, und ich bangte ehrlich um sie. Sie spielte die Gleichm#252;tige. Als sie an Walters und seines Bruders Quartier vor#252;berging, warf sie nur schnell einen Blick auf den Eingang; dann straffte sie die Schultern und lief weiter. Endlich hatte sie den Sand erreicht. Ginge sie hier weiter, so k#228;me sie viel zu nahe an der Mumie vor#252;ber. Vielleicht hatten die M#228;nner noch gar nichts gesehen, und die Absichten dieser Kreatur kannte ich ja auch nicht. Evelyn ging auf den Steinblock zu, hinter dem die Mumie versteckt lag. Doch sie war nicht mehr da! W#228;hrend ich Evelyn mit den Augen verfolgt hatte, mu#223;te sie davongehuscht sein. Wo war sie jetzt? Und wo waren unsere mutigen Verteidiger? In der tiefen Stille h#246;rte ich mein Herz heftig pochen. Dann bemerkte ich am Fu#223; des Pfades eine Bewegung, direkt zwischen Evelyn und dem Sims. Sie konnte sich also nicht in die Sicherheit zur#252;ckziehen. Die Spannung war unertr#228;glich, und ich erhob mich langsam. In diesem Moment trat die Mumie in offenes Gel#228;nde heraus und stie#223; ein tiefes, st#246;hnendes Knurren aus, das Evelyn herumwirbeln lie#223;. Drei Schritte war sie von dem Monster entfernt, mehr nicht. Evelyn griff sich an die Kehle und schwankte. Ich sprang auf, trat leider auf den Saum meines Kleides und lag der L#228;nge nach auf der Nase. Und so sah ich, wie die Mumie sich Evelyn n#228;herte. Sie schien vor Angst gel#228;hmt zu sein. Ich w#228;re in einem solchen Fall l#228;ngst davonge-rannt, und ich sch#228;me mich nicht, das zuzugeben. Da schrie ich. Evelyn stand noch immer wie versteinert da, und das Ding kam ihr immer n#228;her. Und in diesem Moment kam die Rettung. Walter rannte in gro#223;en Spr#252;ngen vom Grab her, warf sich vom Felsrand des Sim-ses und fiel den Sandhang hinab. Gleichzeitig verlie#223; Lucas seine Deckung hinter einem Steinhaufen. Ich war unbeschreiblich erleichtert. Er schrie und zog seine Pistole. Die Mumie blieb stehen, wandte den Kopf von einer Seite zur anderen und schien zu #252;berlegen, was jetzt zu tun sei. Ich versuchte meine R#246;cke zu raffen, um zu Evelyn zu rennen, doch ein Schrei von Lucas hielt mich auf. Er wollte nicht, da#223; ich in die Schu#223;linie geriete. Aber Lucas wollte nur drohen und nicht schie#223;en. Ich bewunderte ihn wegen seiner Ruhe. Langsam trat Lucas vor, der augenlose Kopf folgte seiner Bewegung. Die Kreatur tat einen gr#228;#223;lichen, jammernden Schrei. Das war zuviel f#252;r Evelyn. Sie sank zusammen. Die Mumie st#246;hnte heftig und humpelte auf sie zu. Ich war #252;berzeugt, da#223; unter den Bandagen der Mumie nicht Mohammed stecken konnte. Diese Leute hatten einen heiligen Respekt vor Schu#223;waffen, und als ich das dachte, scho#223; Lucas. Der Donner hallte durch die Nachtstille. Die Mumie zuckte zur#252;ck, eine verbundene Hand legte sich auf die Brust. Ich hielt den Atem an. Nein, sie fiel nicht! Sie jammerte und knurrte nur, bewegte sich aber weiter vorw#228;rts. Lucas scho#223; noch einmal, diesmal aus einer Entfernung von etwa zwanzig Schritten. Wieder legte sich eine verbundene Hand auf die Stelle, wo die Kugel getroffen haben mu#223;te, aber das Ungeheuer bewegte sich noch immer weiter vorw#228;rts. Auf Lucas' blassem Gesicht standen dicke Schwei#223;tropfen, sein offener Mund klaffte wie eine Wunde. Er fummelte in seiner Jackentasche. Offensichtlich mu#223;te er seine Waffe nachladen. Walter lie#223; sich weiter auf den steinigen Boden hinabfallen; er l#246;ste einen ziemlichen Steinrutsch aus, doch sein Gleichgewicht verlor er nicht. Er erreichte den ebenen Boden und rannte weiter. Lucas br#252;llte etwas, doch ich verstand es nicht, weil die rumpelnden Steine solchen L#228;rm machten. Endlich hob er wieder die Pistole. Ich schrie, doch es war zu sp#228;t. Walter konnte seinen Schwung nicht abbremsen und warf sich in dem Moment auf das Ungeheuer, als Lucas scho#223;. Und diesmal fand die Kugel ein verletzliches Ziel. Walter stand still wie ein Stock, dann drehte er langsam den Kopf Lucas zu. Seine Miene dr#252;ckte Verbl#252;ffung aus. Dann gaben seine Knie nach, und er fiel auf dem Sand in sich zusammen. Lucas stand wie versteinert da; die Pistole hing in seiner schlaffen Hand, und sein Gesicht war eine Maske des Entsetzens. Dann tat die Mumie etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren lie#223; - sie lachte, sie heulte vor Vergn#252;gen, da#223; ich glaubte, die ganze H#246;lle sei losgelassen. Danach zog sie sich, noch immer lachend, zur#252;ck, und keiner der entsetzten Zuschauer vermochte es zu verhindern. Das Ding war schon l#228;ngst um einen Felsen herum verschwunden, als ich noch immer das teuflische Gel#228;chter h#246;rte. |
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