"Kirschblüten und Coca-Cola" - читать интересную книгу автора (Шелдон Сидни)
F#252;nftes Kapitel
Pl#246;tzlich, von einer Sekunde zur anderen, war jeder sein Feind.
Masao hatte das Gef#252;hl, als st#252;nde er nackt im Scheinwerferlicht. Jetzt war er keine anonyme Gestalt in einer Menge von Fremden mehr. Er war eine Zielscheibe, ein Gejagter, und die Polizei war hinter ihm her. Fremde Menschen starrten ihn an, als ob sie sein Gesicht mit dem Foto auf der Titelseite der Zeitung verglichen.
Masao taumelte unter dem Schock des Wortes M#246;rder. Higashis Tod war die Folge eines Unfalls. Das mu#223;te Teruo wissen, aber er hatte die Dinge so verdreht, da#223; die Falle zuschnappen mu#223;te. Masao konnte vor Gericht gestellt und lebensl#228;nglich eingesperrt – ja sogar hingerichtet werden. Und dann konnte nichts Teruo daran hindern, die Firma an sich zu rei#223;en.
Ein Polizist in Uniform ging vorbei, und Masao drehte sich unwillk#252;rlich weg. Die Stra#223;en waren nicht mehr sicher f#252;r ihn. Gar zu leicht war sein Gesicht unter all den Wei#223;en zu erkennen. Zwar gab es auch ein japanisches Stadtviertel in New York, und Masaos erster Gedanke war, es aufzusuchen und sich dort unter all den anderen japanischen Gesichtern zu verstecken. Aber er z#246;gerte. Dort w#252;rde die Polizei ihn sicher zuerst suchen. Wahrscheinlich liefen dort Detektive mit seinem Foto herum und suchten die Stra#223;en und Restaurants und Hotels nach ihm ab. Nein, auch dort gab es keine Sicherheit. Nirgends gab es Sicherheit. Er wagte nicht einmal, in sein Hotel zur#252;ckzukehren.
Der Polizist war stehengeblieben und schaute in Masaos Richtung. Masao schlenderte langsam weiter, aber seine Gedanken rasten – er versuchte seinen n#228;chsten Schritt zu #252;berdenken. Seine Situation schien hoffnungslos. Sein Leben war in Gefahr. Alle suchten ihn. Wenn die Polizei ihn nicht erwischte, dann eben Teruo. Das Netz von Matsumoto Industries war weit verzweigt. Die Firma besa#223; gro#223;en Einflu#223;, und Teruo w#252;rde diesen Einflu#223; nutzen, um Masao zu vernichten. Auf einmal – hatte Masao eine Idee. Es gab einen Ort, wo niemand ihn suchen w#252;rde. Nicht einmal Teruo. Zum erstenmal sah Masao einen Hoffnungsschimmer.
Er ging in eine Telefonzelle, schlug das dicke Telefonbuch der Metropole auf und suchte eine Nummer heraus.
Die New Yorker Filiale von Matsumoto Industries befand sich in einem ausgedehnten Industriegebiet des Stadtteils Queens, nicht weit vom La Guardia Airport. Um zwei Uhr nachmittags erschien Masao im Personalb#252;ro der Fabrik. Er war vor dem riesigen Matsumoto-Geb#228;ude aus dem Bus gestiegen und hatte, mit einem Klo#223; in der Kehle, das Firmenschild betrachtet, das den Namen seines Vaters – und auch den seinen – trug. Irgendwann hatte er eine Geschichte #252;ber einen Mann gelesen, der einen wichtigen geheimen Brief versteckte, indem er ihn zwischen einem Stapel unwichtiger Briefe ganz offen auf seinem Schreibtisch liegenlie#223;. Niemand war auf die Idee gekommen, ihn dort zu suchen. Ja, und niemand w#252;rde auf die Idee kommen, Masao hier zu, suchen. Die Matsumoto-Fabrik war der letzte Ort, wo Teruo oder die Polizei ihn vermuten w#252;rden.
Masao hatte sich telefonisch angemeldet und wurde vom Personalchef, Mr. Watkins, erwartet. Eine Sekret#228;rin gab Masao ein Bewerbungsformular, das er ausf#252;llen sollte. Er las es durch, und sein Herz sank ihm in die Hose.
Name: Er durfte seinen richtigen Namen nicht angeben.
Adresse: Er hatte keine Adresse.
Telefonnummer: Er hatte keine.
Geburtsort: Er war hier ein Fremder.
Beruf: Fl#252;chtling.
Es war eine so gute Idee gewesen, sich als Arbeiter unter hundert anderen in der Matsumoto-Fabrik zu verstecken. Aber dies …!
Die Sekret#228;rin beobachtete ihn. »Haben Sie Schwierigkeiten?«
»Oh, nein«, beeilte sich Masao zu sagen. Er beugte sich wieder #252;ber das Formular. Er mu#223;te diesen Job kriegen. Er konnte sonst nirgendwohin. Er mu#223;te genug Geld verdienen, um nach Kalifornien zu fliegen und Kunio Hidaka aufzusuchen. Er blickte auf und sah, da#223; die Sekret#228;rin ihn noch immer beobachtete. Masao fing an zu schreiben.
Als er das Formular ausgef#252;llt hatte, hie#223; er Masao Harada, geboren in Chicago, Illinois, und seine gegenw#228;rtige Adresse war das CVJM-Heim. In der Spalte bisherige Stellungen hatte Masao ein Halbdutzend fiktive Firmen mit erfundenen Adressen in Chicago, Detroit und Denver eingetragen. Es w#252;rde Wochen dauern, um all diese Angaben nachzupr#252;fen, und bis dahin war er l#228;ngst #252;ber alle Berge.
Zehn Minuten sp#228;ter stand er im B#252;ro von Mr. Watkins. Der Personalchef war ein fetter Mann in mittleren Jahren, mit dicken roten Lippen und einem Toupet, das genau wie ein Toupet aussah.
Er studierte das Formular, das Masao ihm #252;berreicht hatte, und sagte: »Du scheinst mir ziemlich jung f#252;r die vielen Stellungen, die du angeblich hinter dir hast.«
Einen Augenblick lang geriet Masao in Panik. Hatte er zu viele Arbeitgeber angegeben? Watkins sch#252;ttelte mi#223;billigend den Kopf. »Habe noch nie von diesen Firmen geh#246;rt.«
Kein Wunder. Sie existierten ja gar nicht. »Es sind sehr kleine Betriebe, Sir.«
Watkins brummte: »Tut mir leid, mein Junge. Wir stellen nur Leute mit Erfahrung ein.«
Masao durfte sich nicht mit einem Nein abfinden. Sein Leben hing davon ab. »Ich habe Erfahrung, Sir.« Verzweiflung schwang in seiner Stimme mit. »Bitte, versuchen Sie es doch mit mir.«
»Ich wei#223; nicht …«
In diesem Augenblick flog die T#252;r auf, und ein Mann in Hemds#228;rmeln kam herein, einen Packen Papiere in der Hand. »Bitte, k#246;nnen Sie das zu Tony schicken?«
»Klar«, antwortete Watkins. »#220;brigens, der junge Bursche hier behauptet, ein Elektronik-Genie zu sein. M#246;chten Sie ihm mal ein paar Fragen stellen?«
Der Mann warf Masao einen Blick zu. »Na gut.«
Watkins sagte zu Masao: »Mr. Davis ist unser Chef-Ingenieur.«
»Haben Sie schon mit Elektronik gearbeitet?« fragte Davis.
»Ja, Sir.«
»K#246;nnen Sie einen Schaltkreis zusammensetzen?«
»Nat#252;rlich, Sir.« Masao f#252;hlte festen Boden unter den F#252;#223;en, denn hier ging es um etwas, das er verstand und liebte. Er sprach langsam und gab sich M#252;he, die technischen Ausdr#252;cke korrekt aus dem Japanischen ins Englische zu #252;bersetzen. »Man beginnt mit einer leeren Platte. Dann wird der gew#252;nschte Schaltkreis photographisch aufgebracht, und die Elemente werden auf die Platte montiert. Dies sind Transistoren, Widerst#228;nde und integrierte Minischaltungen. Die Platte wird in ein S#228;urebad getaucht, wo alles #220;berfl#252;ssige wegge#228;tzt wird. Dann …«
»Halt!« Mr. Davis hob die Hand. Er drehte sich zu Watkins um. »Er versteht nicht nur etwas von der Sache – in ein paar Monaten wird er sich um meinen Job bewerben. Viel Gl#252;ck, mein Junge.« Und damit ging er.
Watkins sagte zu Masao: »Mir scheint, du hast den Job gekriegt.«
Masao sp#252;rte, wie ihm das Herz aufging. »Vielen Dank, Sir.«
»Wir brauchen jemand am Montageband. Der Lohn ist 250 Dollar die Woche, f#252;r den Anfang.«
Masao rechnete den Betrag in Yen um. In einer Woche konnte er genug verdienen, um nach Kalifornien zu fahren!
Watkins unterbrach seine Gedanken: »Ich brauche noch deine Versicherungskarte.«
Masao starrte ihn verst#228;ndnislos an. Er hatte keine Versicherungskarte! »Ich … #228;h …« Masao #252;berlegte blitzartig. »Die ist bei meinem Vater. Und der ist gerade verreist. Ich bringe sie mit, wenn er wieder zu Hause ist.«
Watkins zuckte die Schultern. »Okay. Komm jetzt. Ich bring dich zu deinem Arbeitsplatz.« Er musterte Masaos Gesicht. »Du hast noch nie bei uns gearbeitet, oder?«
»Nein, Sir.«
»Komisch«, sagte Watkins. »Dein Gesicht kommt mir verdammt bekannt vor.«
Und Masao sp#252;rte, wie ihn die Angst erneut durchzuckte.
Von innen war die Matsumoto-Fabrik ger#228;umig und sauber, und es herrschte emsige Gesch#228;ftigkeit. Normalerweise w#228;re Masao stolz darauf gewesen, da#223; all dies das Werk seines Vaters war. Diese Menschen verdankten Yoneo Matsumoto ihren Arbeitsplatz; aber daran durfte Masao jetzt nicht denken. Dies war f#252;r ihn keine Fabrik – es war ein zeitweiliges Versteck f#252;r ihn, ein Zufluchtsort.
Es waren etwa hundert Arbeiter am Montageband, viele davon Japaner. M#228;nner und Frauen arbeiteten Seite an Seite. Masao wurde dem Vorarbeiter vorgestellt, einem kleinen Mann mit hagerem, unsympathischem Gesicht. Er hie#223; Oscar Heller, und er machte gleich einen unangenehmen Eindruck auf Masao.
Heller f#252;hrte Masao in den Umkleideraum und warf ihm einen wei#223;en Kittel zu. »Da. Das wirst du immer anziehen, wenn du am Flie#223;band stehst. Verstanden?«
»Ja, Sir.«
»Komm jetzt.«
Sie kehrten in die Fabrikhalle zur#252;ck. Heller deutete auf einen freien Platz am Montageband. »Dort wirst du arbeiten. Und ich dulde keine Faulenzerei, hast du verstanden?«
»Ich habe verstanden, Sir.«
»Dann mach dich an die Arbeit.«
Masao schaute dem Vorarbeiter nach, wie er weiterschlenderte und irgendwo stehenblieb, um einem M#228;dchen auf den Hintern zu t#228;tscheln. Als sie zusammenzuckte und etwas Zorniges zu Heller sagte, lachte er nur und ging weiter. Masao war emp#246;rt. Wie konnte ein solcher Mensch Vorarbeiter werden? Falls er den Zwischenfall meldete, w#252;rde der Mann gefeuert. Aber nat#252;rlich hatte Masao hier nichts zu sagen. Er konnte froh sein, da#223; er Arbeit gefunden hatte.
Masao wandte sich ab und studierte das Montageband. Es war genau das gleiche wie in der Fabrik in Tokyo. Dies war ein Vorteil der Massenproduktion. Er konnte in jede Matsumoto-Fabrik auf der Welt gehen und wu#223;te immer, wie dort gearbeitet wurde.
Er beobachtete, wie die gedruckten Schaltkreise auf die Platte gebracht wurden und wie das S#228;urebad alles #220;berfl#252;ssige weg#228;tzte. Dann wurden L#246;cher in die Schalttafel gebohrt und die Elemente montiert. Am Schlu#223; lief das Ganze durch einen Bottich mit Isoliermasse, die an den Dr#228;hten und Kupferteilen haftenblieb. Es war ein Arbeitsgang, den Masao schon tausende Male gesehen hatte.
Masaos Platz am Flie#223;band war zwischen einem mittelalten Mann zu seiner Linken und einem jungen M#228;dchen zu seiner Rechten. Beide waren Japaner.
Der Mann drehte sich zu Masao um und sagte: »Willkommen.«
»Danke«, erwiderte Masao. Dann wandte er sich dem M#228;dchen zu – und da blieb ihm beinah das Herz stehen. Sie war das sch#246;nste M#228;dchen, das er je gesehen hatte. Sie hatte ein feines, ovales Gesicht und sanfte kluge Augen. Sie schien etwa in seinem Alter zu sein.
Sie merkte, da#223; Masao sie anstarrte, und sagte: »Willkommen.«
»Danke.«
»Mein Name ist Sanae Doi.« Ihre Stimme war weich und melodisch.
»Ich hei#223;e Masao.« Er z#246;gerte. »Masao Harada.«
Masao blickte auf und sah, da#223; Heller ihn quer durch die Fabrikhalle anstarrte. Er wird mir Schwierigkeiten machen, dachte Masao.
»Fang lieber an zu arbeiten«, fl#252;sterte Sanae. »Mr. Heller kann es nicht leiden, wenn jemand nichts tut. Soll ich dir zeigen, was du zu tun hast?«
»Vielen Dank. Ich glaube, ich wei#223; schon Bescheid«, sagte Masao. Und w#228;hrend Sanae zuschaute, griff Masao nach den elektronischen Teilen vor ihm und begann, sie zusammenzubauen. Er arbeitete mit einer angeborenen Geschicklichkeit, jede Bewegung war rasch und pr#228;zise.
Sanae sah staunend zu. So etwas hatte sie noch nie gesehen. »Du … du bist sehr gut«, sagte sie.
»Vielen Dank.« Masao machte es Freude, mit seinen H#228;nden zu arbeiten. Aber er wu#223;te, da#223; es ihn irgendwann langweilen w#252;rde. Jetzt war es nat#252;rlich egal, er war nur hier, weil das ihm Sicherheit bot – getarnt als einer unter vielen Arbeitern seiner eigenen Firma. Seine Finger hantierten ganz automatisch mit den Montageteilen, aber seine Gedanken waren bei anderen Dingen. Er w#252;rde Schwierigkeiten bekommen, falls es ihm nicht gelang, eine Versicherungskarte herbeizuschaffen. Ein anderes Problem war, wie er eine Unterkunft finden sollte. Er hatte nur noch wenig #252;brig von den hundert Dollar, die er bei dem Wettlauf gewonnen hatte. Zahltag war erst in einer Woche, und bis dahin w#252;rden die paar Dollars nicht ausreichen.
In der Fabrik gab es vormittags eine Kaffeepause und eine am Nachmittag, und die Nachmittagspause nutzte Masao, um sich einmal im ganzen Betrieb umzusehen. Hier und da blieb er stehen, um sich mit den Arbeitern zu unterhalten. Sie schienen sehr t#252;chtig und interessierten sich f#252;r ihre Arbeit. Durch beil#228;ufige Fragen erfuhr Masao, da#223; sie zufrieden und stolz waren, hier zu arbeiten. Mein Vater, dachte Masao, h#228;tte sich gefreut. Das einzige Problem, soweit Masao sehen konnte, war Oscar Heller, der Vorarbeiter. Er war ein Leuteschinder, und die Arbeiter f#252;rchteten ihn und versuchten, seinem Zorn zu entgehen. Wieder fragte sich Masao, wie es geschehen konnte, da#223; man Mr. Heller die Aufgabe eines Vorarbeiters #252;bertragen hatte. Immer wenn Masao mit anh#246;ren mu#223;te, wie Mr. Heller eine der Frauen wegen eines kleinen Fehlers anbr#252;llte, wollte er am liebsten dazwischentreten – aber er wu#223;te, da#223; ihm nichts anderes #252;brigblieb, als den Mund zu halten und nicht aufzufallen.
Die Fabrikglocke l#228;utete f#252;nf Uhr, und die Arbeiter hatten Feierabend. Sie gingen in den Umkleideraum, wo sie ihre wei#223;en Kittel gegen ihre Jacken und M#228;ntel vertauschten. Masao beobachtete Sanae, wie sie ihren Mantel anzog. Sie war sehr anmutig. Masao beschlo#223;, sie irgendwann n#228;her kennenzulernen.
Zusammen mit den anderen marschierte Masao durchs Fabriktor, aber da war ein gro#223;er Unterschied: Sie alle hatten ein Zuhause. Er wu#223;te nicht, wohin er gehen sollte. Er konnte es nicht riskieren, #252;ber Nacht drau#223;en auf der Stra#223;e zu bleiben. Die Polizei suchte ihn, und sein Onkel Teruo verfolgte ihn. Er mu#223;te ein Zimmer finden. So wanderte er durch die Seitenstra#223;en, bis er vor einem sch#228;bigen kleinen Hotel mit ramponiertem Baldachin #252;ber dem Eingang stand. Masao trat ein. Die Halle sah aus, als w#228;re sie seit Jahren nicht mehr ausgekehrt worden, und es roch nach Staub und Trostlosigkeit. Hinter der Theke hockte ein gelangweilter Portier und las ein Taschenbuch mit einer nackten Frau auf dem Umschlag.
Masao blieb vor ihm stehen. »Entschuldigen Sie. Haben Sie ein Zimmer frei?«
Der Portier nickte, ohne aufzublicken. »Yeah.«
»Was kostet es, bitte?«
»Willst du die Miete tageweise oder w#246;chentlich oder monatlich zahlen?«
Masao fragte sich, wie jemand es aushalten konnte, einen ganzen Monat in einem so sch#228;bigen Haus zu wohnen.
»W#246;chentlich.«
Der Portier blickte auf. »Zehn Dollar die Nacht, sechzig Dollar die Woche. Zahlung im voraus.«
Masao machte sich klar, da#223; ihm kein Cent #252;brigbleiben w#252;rde, aber er hatte keine andere Wahl. Tags#252;ber war er in Sicherheit, aber er mu#223;te auch eine Zuflucht f#252;r die Nacht finden.
»Sehr gut«, sagte er. »Ich will’s nehmen.«
Der Portier nahm einen Schl#252;ssel vom Brett und reichte ihn Masao. »Haste Gep#228;ck?«
»Nein.«
Der Portier schien nicht #252;berrascht. Masao fragte sich, was f#252;r Leute in diesem Haus wohnen mochten. Die Verlorenen und Geschlagenen. Jene, die sich aufgegeben hatten.
»Zimmer 217, erster Stock.«
»Vielen Dank.«
Masao drehte sich um und stieg die Treppe hinauf. Der Teppich war zerschlissen, und die W#228;nde waren mit Graffiti verschmiert: Kilroy war hier, aber er ist wieder abgehauen. Konnte den Gestank nicht aushalten … Mary liebt John; John liebt Bruce … Hilfe! Nichts wie raus hier … Kakerlakenhimmel …
Die Vorhalle und das Treppenhaus, so armselig sie waren, hatten Masao nicht auf den Anblick des Zimmers vorbereitet. Sein ganzes Leben lang hatte er sein eigenes Zimmer gehabt, gro#223; und sauber und luftig, mit einem herrlichen Ausblick auf den Garten und das Land. Dieses Zimmer hier war kaum gr#246;#223;er als ein Wandschrank, schmutzig und trostlos, mit ein paar billigen, abgesto#223;enen M#246;belst#252;cken und einem zersplitterten Fenster, das auf eine #246;de Ziegelmauer hinausblickte. Das winzige Bad enthielt ein fleckiges Waschbecken, eine Klosch#252;ssel mit zerbrochenem Plastiksitz und eine Dusche, so niedrig, da#223; Masao darunter kaum aufrecht stehen konnte. Das Bett sah aus, als w#228;re es wochenlang nicht mehr bezogen worden. Masao schaute sich in dem deprimierenden Raum um und fragte sich, wie lange er es hier aushalten w#252;rde. Na ja, er wollte es Tag f#252;r Tag neu versuchen.
Er hatte kein Geld mehr #252;brig, um sich etwas zu essen zu kaufen, und wollte auch nicht durch die Stra#223;en laufen, wo irgend jemand ihn erkennen konnte. Darum blieb er auf seiner Bude und versuchte, einen Plan f#252;r die Zukunft zu machen. Er schrieb sich die Probleme auf, mit denen er zu k#228;mpfen hatte:
1. Ich habe kein Geld.
2. Ich habe keine Freunde.
3. Ich bin in einem fremden Land.
4. Die Polizei sucht mich, wegen eines Mordes, den ich nicht begangen habe.
5. Mein Onkel sucht mich, um mich umzubringen.
Es war so trostlos, da#223; Masao beinahe lachen mu#223;te. Ein anderer h#228;tte die Hoffnung fahrenlassen – er aber war Masao Matsumoto, der Sohn von Yoneo Matsumoto, und er w#252;rde niemals aufgeben.