"Im Schatten des Todes" - читать интересную книгу автора (Питерс Элизабет)10. KapitelKurz nach dem Fr#252;hst#252;ck machten wir uns auf den Weg. Der Sand gl#252;hte bla#223;golden, die Sonne schien schon grell. Wir unterhielten uns kaum. Ich machte mir Sorgen um Evelyn. Wie sollte ich sie von ihren seltsamen #196;ngsten befreien? Die erste Person, die uns entgegenkam, war Walter. Er trug den verletzten Arm in der Schlinge, schien sich aber sonst wohl zu f#252;hlen. Ich freute mich sehr dar#252;ber. Er gab zwar zuerst mir die Hand, schaute dabei jedoch Evelyn an. »Ich bin sehr erleichtert, Sie zu sehen«, sagte er, »und ich war sehr b#246;se auf Radcliffe, als er mir sagte, da#223; Sie gegangen seien.« »Um uns brauchten Sie sich keine Sorgen zu machen«, erwiderte ich. »Wir waren um Sie besorgt. Wo ist Ihr Bruder?« »Raten Sie«, meinte er l#228;chelnd. »Wahrscheinlich hat er in meiner Abwesenheit die Grabungen wiederaufgenommen. Hat er denn gar kein Gewissen? Hat er etwas gefunden? Etwa neue Malereien?« »Mi#223; Amelia, woher wissen Sie das?« rief Walter erstaunt. »Ich kenne Ihren Bruder doch. Er ist zu jeder Dummheit f#228;hig, wenn es um Altert#252;mer geht. Wo ist er? Ich habe mit ihm zu reden.« »Das Pflaster ist nicht weit von dem zerst#246;rten entfernt. Aber .« »Keine Widerrede!« unterbrach ich ihn. »Ihr kehrt jetzt alle ins Lager zur#252;ck, und ich hole Emerson.« Ich hatte mich in einen richtigen Zorn hineingesteigert, als ich ihn fand. Er kauerte fast unsichtbar auf dem Boden, und fast w#228;re ich #252;ber ihn gestolpert. Er war so in seine Arbeit vertieft, da#223; er mich nicht h#246;rte, und ich versetzte ihm daher mit meinem Sonnenschirm einen ziemlich kr#228;ftigen Schlag auf die Schulter. »Oh, Sie sind's, Peabody«, sagte er. »Wer sonst w#252;rde einen Mann zur Begr#252;#223;ung #252;ber den Kopf schlagen?« Ich hockte mich neben ihn auf die Fersen. Daran hatte ich mich gew#246;hnt, und meine Knie protestierten l#228;ngst nicht mehr dagegen. Er hatte ein St#252;ck von etwa drei Fu#223; im Quadrat ges#228;ubert. Auf dem blauen Grund, der Wasser bedeutet, schwammen drei herrlich geformte Lotosbl#252;ten mit gr#252;nen Bl#228;ttern. »Aha, Sie wollten also nur in Ruhe arbeiten. Sie sind doch der gr#246;#223;te Egoist, den die Welt je gesehen hat! Und welche Zeitverschwendung, den Sand mit blo#223;en H#228;nden wegzuschaufeln! Auf die Art legen Sie niemals das ganze Pflaster frei.« Da er nicht antwortete, fuhr ich fort: »Sind Sie denn gar nicht neugierig? Wollen Sie nicht wissen, was vergangene Nacht geschehen ist?« »Wei#223; ich doch«, antwortete er. »Ich war in aller Morgenfr#252;he beim Boot und habe mit Hassan gesprochen.« Er sah sehr m#252;de aus, das stimmte, aber ich brauchte eine Weile, um mich von meiner Verbl#252;ffung zu erholen. »Und was halten Sie davon?« fragte ich. »Es ging genau, wie ich vermutete. Die Mumie erschien und wurde von Ihnen .« »Von Lucas.« »Seine Lordschaft schien nicht besonders n#252;tzlich gewesen zu sein, denn sein Kollaps hat die Mannschaft zur Panik getrieben. Selbst Reis Hassan, der gewi#223; kein Feigling ist, hat jetzt Angst. Hat der Lord sich wenigstens von seinem Angstanfall erholt?« »Ich wei#223; wirklich nicht, was mit ihm war und warum er ohnm#228;chtig wurde. Aber ein Feigling ist er nicht.« Emerson zuckte die Achseln und r#228;umte weiter Sand weg. »Sind Sie denn ganz von Sinnen?« fuhr ich ihn an. »Ein Pflaster haben Sie schon vernichtet, und wenn Sie das hier freilegen, geschieht es wieder so. Die einzige Sicherheit liegt darin, da#223; es keiner sieht.« »Dieses Pflaster ist nicht meine gr#246;#223;te Sorge. Besser, wir verlieren dieses Mosaik als Mi#223; Evelyn.« »Das kann ich Ihnen nun wirklich nicht recht glauben«, erwiderte ich. »Es ist wahr, auch wenn Sie von mir die denkbar schlechteste Meinung haben.« Das klang so bitter, da#223; ich mich getroffen f#252;hlte. »Ich habe doch gar keine schlechte Meinung von Ihnen«, murmelte ich. Es mu#223; ein urkomisches Bild gewesen sein, das wir boten. Er hockte auf den Fersen und beugte sich vorw#228;rts, um mir ins Gesicht zu schauen. Er glich in dieser Haltung eher einem Orang-Utan als einem Menschen, und ich mu#223;te mit meinen um mich gebauschten R#246;cken auch recht merkw#252;rdig ausgesehen haben. Es war mir aber unwichtig, denn ich sah nur seine intensiven blauen Augen, die wie Saphire funkelten und meine Augen nicht loslie#223;en. Da mu#223;te ich den Blick senken, und ich glaube, ich wurde flammend rot. »Hallo, Radcliffe!« h#246;rte ich in diesem Augenblick Walter rufen, der auf uns zukam. »Was meinst du, was ...« Er schaute von einem zum anderen. »Was ist denn? Habe ich ... gest#246;rt?« »Nein, hast du nicht«, knurrte Emerson. »Was ist, Walter? Du bist so aufgeregt.« »Kein Wunder, und du wirst auch aufgeregt sein, wenn du h#246;rst, was letzte Nacht geschehen ist.« »Das wei#223; ich doch.« »Dann hat es dir also Mi#223; Amelia erz#228;hlt. Radcliffe, es mu#223; etwas geschehen! Das ist doch entsetzlich. Du mu#223;t die Damen #252;berreden, noch heute abzureisen. Komm mit ins Lager. Ich habe keinen Erfolg bei Mi#223; Evelyn und auch nicht bei Lord Ellesmere.« »Na, gut«, brummte Emerson, und wir machten uns auf den Weg. Walter h#246;rte nicht auf, #252;ber sein Entsetzen zu sprechen, bis ihn sein Bruder unterbrach. »Walter, h#246;r doch endlich auf mit deinem Geplapper. Was erreichen wir damit, wenn wir Mi#223; Evelyn wegschicken? Ist die Mumie etwas #220;bernat#252;rliches, was ihr Narren alle zu glauben scheint, dann kann sie ihr folgen, wohin sie auch geht. Und sie kann ihr auch folgen, wenn sie nichts #220;bernat#252;rliches ist. Da dir an ihrer Sicherheit mehr liegt als an unserer Arbeit hier, sollten wir vielleicht besser daran denken, die Motive dieser Kreatur zu erforschen, um ihnen wirksam begegnen zu k#246;nnen.« Walter sah ziemlich geknickt drein, und ich versuchte ihn aufzuheitern. »Ich bin #252;berzeugt, da#223; die Mumie Evelyn nichts B#246;ses will. Sie und Lucas, Sie beide wurden angegriffen, aber nicht Evelyn.« - »Ah«, sagte Emerson und sah mich lange und nachdenklich an. »Peabody, ich versichere Ihnen, das ist mir nicht entgangen.« Walter war besorgt, ich w#252;tend, und so legten wir den Weg schweigend zur#252;ck. Evelyn und Lucas warteten schon auf uns, und wir setzten uns zu einer Diskussion zusammen, die uns anfangs auch nicht weiterbrachte. Das war mein Fehler; sonst f#228;llt es mir nicht schwer, selbst zu einem Entschlu#223; zu kommen und andere von dessen Richtigkeit zu #252;berzeugen, aber diesmal gelang es mir nicht. Am sichersten w#228;re es gewesen, wenn wir gepackt und das Lager aufgegeben h#228;tten. Das kam f#252;r Emerson nicht in Betracht, und ich gab ihm insgeheim darin recht. Ich konnte aber auch die Emersons nicht im Stich lassen und unsere Vergn#252;gungsreise fortsetzen, denn die beiden Br#252;der waren nicht besonders gesund. Wie sollten sie Hilfe herbeiholen, wenn die Dorfbewohner vom passiven Widerstand zur offenen Feindseligkeit #252;bergingen? In Amar-na gab es schon in ruhigen Zeiten kaum Touristen. Ich konnte nat#252;rlich auch auf der Dahabije bleiben und Evelyn mit Lucas nach Kairo zur#252;ckschicken, damit sie Hilfe holten. Ich konnte die beiden aber nicht gut allein reisen lassen, und Evelyn w#252;rde sich sowieso weigern, mich zu verlassen. Und Emerson w#252;rde wie ein Schakal heulen, wenn man ihn in seinem m#228;nnlichen Stolz verletzte, das hei#223;t, in Kairo f#252;r ihn um Hilfe bat. Nun, ich nahm das Risiko auf mich, diesen Vorschlag zu machen. Alle protestierten au#223;erordentlich heftig, nur der eine nicht, von dem ich es ganz bestimmt erwartet hatte - Emerson. Er kniff die Lippen zusammen und schwieg d#252;ster. Lucas sah wieder ein Ziel in Reichweite. »Ich kann nur dann reisen, wenn ... Also unter ganz bestimmten Voraussetzungen, um Evelyns Ruf nicht zu sch#228;digen«, erkl#228;rte er nachdr#252;cklich. Evelyn wurde rot und schaute weg. Seine Absicht war nur allzu klar. Wenn sie als offizielles Brautpaar reisten mit dem Ziel, nach ihrer Ankunft sofort zu heiraten, so war das zwar auch unschicklich, aber die englische Kolonie in Kairo w#228;re nicht schockiert. Walter begriff nat#252;rlich auch sofort und zog ein langes Gesicht. Emerson stopfte seine Pfeife und paffte dicke Wolken. Dabei musterte er uns mit b#246;sen Blicken. »Das ist alles absurd!« rief ich und sprang auf. »Der Tag vergeht, und ich bin ersch#246;pft.« »Nat#252;rlich, Amelia«, antwortete Evelyn sofort. »Du mu#223;t ausruhen.« Emerson nahm die Pfeife aus dem Mund. »Wirklich, Peabody, das sieht Ihnen gar nicht gleich, so unentschlossen zu sein. Ihr benehmt euch alle wie Kinder, die vor einem Schatten davonlaufen.« »Schatten! War es etwa ein Schatten, der mit Felsen nach Ihnen warf? Oder der Walter verwundete?« »Bei mir war es ein Steinschlag, und bei Walter ein . ungl#252;cklicher Zufall«, erwiderte Emerson und schaute Lucas bedeutungsvoll an. »Kommen Sie, Peabody, und benutzen Sie Ihren Kopf. Bis jetzt liegt kein Beweis daf#252;r vor, da#223; die ungl#252;cklichen Vorkommnisse reiner Bosheit entsprangen, und die Ohnmacht von Lord Ellesmere in der vergangenen Nacht - nun, das Fleisch ist schwach, man ist m#252;de, erregt, hat ein bi#223;chen zuviel Wein .« Lucas wurde rot vor Zorn. »Das ist nicht wahr!« rief er. »Nun, dann m#252;ssen wir an #252;bernat#252;rliche Kr#228;fte der Mumie glauben«, antwortete Emerson trocken. »Damit bin ich aber nicht einverstanden. Ich suche nach einer vern#252;nftigen Erkl#228;rung, und wenn mir niemand ein Motiv nennen kann . Nun, Lord Ellesmere meinte, die Dorfbewohner wollen uns vertreiben, weil sie eine wertvolle Entdeckung gemacht haben. Ich lasse mich nicht vertreiben. So einfach ist das.« Die Logik dieses Mannes beeindruckte mich sehr, und trotzdem f#252;hlte ich noch immer einiges Unbehagen. »Was schlagen Sie dann vor?« fragte ich. »Wir gehen zum Angriff #252;ber. Bisher haben wir uns nur verteidigt, und das wollen unsere Gegner ja. Wenn die Dorfbewohner ein Grab finden k#246;nnen, dann k#246;nnen wir das auch. Morgen beginnen wir mit der Suche und werden uns dazu der Hilfe Ihrer Bootsmannschaften versichern. Das wird nicht einfach sein, weil die Dorfbewohner sie beschwatzten, da#223; auf uns ein Fluch liege. Mit Schmeichelei, gutem Zureden und ein wenig Bestechung bringen wir sie schon auf unsere Seite. Wir brauchen M#228;nner zur Bewachung der Damen und f#252;r eine ausf#252;hrliche Suchaktion. Nun, ist der Plan in Ordnung?« Ich hatte nichts zu sagen und fand den Plan gut, doch zugegeben h#228;tte ich es nicht. Die anderen waren beeindruckt, Evelyn sogar deutlich erleichtert. »Dann besteht also keine Gefahr f#252;r uns?« fragte sie. »Nein, meine Liebe«, antwortete Emerson. »Wenn es Ihnen recht ist, verbringen wir diese Nacht eben in einem Raum, doch ich meine, das ist gar nicht n#246;tig. In Ordnung? Peabody, gehen Sie zu Bett, Sie brauchen unbedingt Ruhe. Seit zehn Minuten haben Sie keine sarkastische Bemerkung mehr gemacht. Also m#252;ssen Sie au#223;erordentlich ersch#246;pft sein.« In meinem Kopf herrschte gro#223;e Verwirrung, und das erlaube ich diesem K#246;rperteil sonst niemals. Ich war k#246;rperlich und seelisch richtiggehend ausgepumpt, so da#223; ich in einen von wilden Tr#228;umen zerrissenen unruhigen Schlaf fiel. Lichtstrahlen und tiefste Dunkelheit wechselten einander ab. Und es war dann auch ein Lichtstrahl, der mich aufweckte. Die Sonne ging eben unter; mein Laken und meine Haare waren schwei#223;feucht, und ich mu#223;te mich aus den Tiefen des Schlafes empork#228;mpfen. Und dann h#246;rte ich die Stimme: »Nicht bewegen, um alles in der Welt nicht bewegen!« Am Fu#223; meines Feldbettes lag ein dickes, braunes Seil. Das bewegte sich pl#246;tzlich. Ein flacher Kopf hob sich, und zwei kleine, starrende, funkelnde Kreise lie#223;en mich nicht los. Es war eine Schlange. Ich wagte mich nicht zu r#252;hren. Emerson stand unter der T#252;r#246;ffnung und lie#223; den Reptilienkopf nicht aus den Augen, der sich nun wiegend vor- und r#252;ckw#228;rts schaukelte. Seine Hand bewegte sich unendlich langsam zur Tasche. Ich war vor Entsetzen gel#228;hmt, wollte schreien, wagte es jedoch nicht. Ein Nebel schien sich #252;ber meine Augen und mein Gehirn zu legen. Dann sah ich, wie Emersons Arm sich schnell bewegte, es gab einen Blitz, einen rollenden Donner, und ich glaubte, der Himmel falle #252;ber mir ein. Von da an wu#223;te ich nichts mehr. Ich war nicht lange bewu#223;tlos; als ich aufwachte, konnte ich mich jedoch an nichts erinnern. In meinen Ohren dr#246;hnte es noch, mein Kopf schwamm, aber irgendwie f#252;hlte ich mich so behaglich wie ein Kind im Arm der Mutter. Dann ber#252;hrte etwas mein Gesicht, meine Lippen, die geschlossenen Augen, meine Wangen; es war wie ein Fingerdruck, nur w#228;rmer und weicher, und diese Ber#252;hrung hatte eine unglaubliche Wirkung auf mich. Ich #246;ffnete die Augen nicht, ich schlo#223; sie noch fester, weil ich zu tr#228;umen glaubte. #196;hnliche Empfindungen hatte ich bisher ausschlie#223;lich in Tr#228;umen erlebt. Warum sollte ich sie f#252;r eine Wirklichkeit aufgeben, die nicht, sogar bei weitem nicht, so vergn#252;glich war? Dann #252;berlegte ich mir: Vielleicht hat mich doch die Schlange gebissen; ich bin vergiftet und im Delirium ... Schreie und rennende F#252;#223;e brachen dann den Zauber. Ich wurde zur#252;ckgelegt, gesch#252;ttelt, dann sogar ein paarmal - wie w#252;rdelos! - kr#228;ftig auf die Wangen geschlagen. Ich machte die Augen auf. Emersons Gesicht, die Maske eines Nachtmahrs, hing #252;ber mir, daneben erkannte ich Evelyns wei#223;es Gesicht. Sie schob Emerson weg und umklammerte mich. »Oh, Amelia, meine allerliebste Amelia, wir h#246;rten den Schu#223;. Was ist geschehen? Bist du verwundet? Oder stirbst du?« »Sie ist weder verwundet, noch liegt sie im Sterben, sie ist nur damenhaft in Ohnmacht gefallen«, erkl#228;rte Emerson, und dar#252;ber mu#223;te ich mich schon wieder #228;rgern. »Peabody, zum erstenmal habe ich erlebt, da#223; Sie sich wie eine richtige Dame benehmen. Das mu#223; ich in meinem Tagebuch eigens vermerken.« Mir fiel leider keine bei#223;ende Antwort ein - ausnahmsweise. Ich funkelte ihn nur an. Dann tat Walter einen Schrei und hob die Schlange hoch. »Radcliffe«, st#246;hnte er, »das ist ja eine Haubenkobra, eine der giftigsten Schlangen in #196;gypten. Hast du geschossen? Bist du sicher, da#223; sie nicht vor dem Schu#223; gebissen hat?« Evelyn untersuchte sofort meine Beine nach einer Schlangenbi#223;wunde, doch ich schob sie weg. Mir ging es gut, denn Emersons Grobheit hatte meinen k#228;mpferischen Instinkt wieder geweckt. »Mach doch kein Theater, Evelyn«, fauchte ich sie an. »Dieses Biest hat viel zu lange #252;berlegt, ob es mich bei#223;en soll oder nicht, und da hatte Emerson Zeit genug, zu schie#223;en. In der gleichen Zeit h#228;tte ich zehn Schlangen erschossen.« »Bei Schlangen«, erkl#228;rte Walter, »mu#223; man sich sehr behutsam bewegen, sonst bei#223;en sie blitzschnell. Hu, mich sch#252;ttelt es vor Entsetzen. Zum Gl#252;ck hattest du eine Waffe, Radcliffe.« »Wahrscheinlich die meine«, bemerkte Lucas vom Eingang her. »Es war ja noch eine Kugel drinnen«, antwortete Emerson. »Sie hatten unversch#228;mtes Gl#252;ck. Wie leicht h#228;tten Sie Mi#223; Amelia treffen k#246;nnen.« »Selbst dieses Risiko mu#223;te man in diesem Fall in Kauf nehmen«, sagte Walter. »Gott segne Sie und Ihre sichere Hand, Mr. Emerson!« rief Evelyn. »Sie haben Amelias Leben gerettet. Wie kann ich Ihnen das je danken?« Emersons hoheitsvolles Gehabe fiel pl#246;tzlich von ihm ab, und er l#228;chelte merkw#252;rdig. »Ich werde Sie bei Gelegenheit daran erinnern, Mi#223; Evelyn.« Die Schlange wurde dann beseitigt, Evelyn und ich bekamen Tee, die Herren etwas Geistvolleres. Nur Lucas schien sehr ruhig zu sein. Er fragte, wie die Schlange in die Grabkammer gekommen sein k#246;nnte. Er vermutete, sie habe sich in einer Ecke zum Schlafen zusammengerollt und sei erst auf das Bett gekrochen, als ich schlief, weil Schlangen ja immer die W#228;rme suchen. Aber ich wollte dann wirklich nichts mehr davon h#246;ren und schlug vor, wir sollten uns entscheiden, was wir weiter tun wollten. »Ich habe mich entschieden«, sagte Evelyn laut und deutlich. »Ich werde Lord Ellesmeres Heiratsantrag annehmen, und wir beide verlassen das Lager. Morgen fr#252;h segeln wir nach Kairo.« Wir waren alle wie vom Blitz getroffen, das hei#223;t Emerson, Walter und ich. Dann sprang Walter auf, tat einen Schrei und wurde dunkelrot. Auch Lucas stand auf, und seine triumphierende Miene machte mich w#252;tend. »Ich bin nat#252;rlich der gl#252;cklichste Mann der Welt«, antwortete er ihr. »Allerdings w#228;re es mir lieber gewesen, du h#228;ttest meinen Antrag nicht so in aller #214;ffentlichkeit angenommen. Wenn du aber ...« Ehe wir's uns versahen, hatte er Evelyns Hand gepackt und sie an sich gezogen, um sie zu k#252;ssen. Walter schlug seine Hand weg, er atmete schwer. Wie Feinde standen die beiden jungen M#228;nner einander gegen#252;ber. Lucas kniff die Augen zusammen. Jetzt schlug sein hei-#223;es Blut durch. »Was? Das wagen Sie? Emerson, daf#252;r werden Sie mir noch Rede und Antwort stehen.« Evelyn trat zwischen die beiden. »Lucas, Walter, sch#228;mt euch! Ich habe gesagt, was ich tun mu#223; und tun werde, und nichts kann mich umstimmen.« »Evelyn, das k#246;nnen Sie nicht tun!« rief Walter beschw#246;rend. »Sie lieben ihn doch gar nicht. Sie wollen sich nur opfern, weil Sie glauben, Sie seien die Ursache .« Es war eine furchtbare Auseinandersetzung. Walter beschwor sie, Emerson meldete seine Vernunftgr#252;nde an, ich redete ihr zu wie einem kranken Kind, und Lucas -nun ja, Lucas war #252;berzeugt, da#223; Evelyn ihm schon so gut wie sicher war. Schlie#223;lich sagte ich, nachdem alle ihre Meinung ge#228;u#223;ert hatten, auch die meine. »Emerson ist zwar ein schrecklicher Dickkopf, aber er hat recht. Wir kennen das Motiv dieses ganzen Theaters nicht, und #252;berst#252;rzte Handlungen k#246;nnten sich sehr schlimm auswirken. Du k#246;nntest unbewu#223;t genau das tun, was der unbekannte Gegner von dir will.« W#228;re ich nicht eine Frau gewesen, so h#228;tte Lucas mich jetzt verpr#252;gelt, das wei#223; ich; aber ich hatte Evelyn soweit, da#223; sie noch einmal dar#252;ber nachdenken wollte. Dazu mu#223;te sie allein sein. Sie ging den Sims entlang und stieg den H#252;gel hinab. Sie sah so verloren aus und tat mir unbeschreiblich leid. Lucas sprang auf, um ihr zu folgen, die Br#252;der Emerson versuchten ihn zur#252;ckzuhalten, ein b#246;ses Wort gab das andere - es war schrecklich. Schlie#223;lich lief ihr Lucas doch nach, um sein S#252;ppchen an dem noch glimmenden Feuer gar zu kochen, aber ich sah dann, da#223; Evelyn den Kopf sch#252;ttelte. Emerson sparte nicht mit sarkastischen Bemerkungen, wof#252;r ich ihn scharf tadelte. Ich hatte pl#246;tzlich alles gr#252;ndlich satt, selbst Evelyn und ihr morbides M#228;rtyrer-tum, Lucas und seine Arroganz, Walters h#252;ndisches Leiden und am allermeisten Emerson. Er hatte ja gewonnen, weil er seinen Bruder behielt, und mit sadistischem Vergn#252;gen drehte er das Messer in dessen Herzenswunde herum, indem er Walter versicherte, Evelyn heirate Lucas nur des Reichtums und des Titels wegen. Da wurde ich aber endg#252;ltig b#246;se. »H#246;ren Sie endlich damit auf!« schrie ich ihn an. »Lieber s#228;he ich Evelyn in einem Kloster als in einer Ehe mit diesem Elenden! Sie liebt ihn ja gar nicht. Sie liebt einen anderen, und den wollte sie retten durch eine Heirat mit Lucas. Vielleicht hat sie recht, denn der Mann, den sie liebt, ist ein elender Schw#228;chling, der nicht einmal den Mut aufbringt, sich ihr zu erkl#228;ren.« Walter griff nach meiner Hand. »Sie meinen .? Glauben Sie wirklich, ich k#246;nnte . , ich d#252;rfte .« »Selbstverst#228;ndlich, Sie junger Narr!« Ich versetzte ihm einen solchen Sto#223;, da#223; er taumelte. »Sie liebt doch Sie. Warum, das kann ich mir nicht vorstellen, aber es ist so. Jetzt laufen Sie. Halten Sie sie auf!« Walter warf mir noch einen Blick zu, dann st#252;rmte er davon. Und ich - nun, ich mu#223;te mich Emerson stellen und meine Handlungsweise rechtfertigen. Er wiegte sich in seinem Stuhl vor und zur#252;ck und lie#223; sich von einem lautlosen Gel#228;chter durchsch#252;tteln. »Meine liebe Peabody, Sie erstaunen mich!« st#246;hnte er schlie#223;lich. »Ist es denn m#246;glich, da#223; Sie insgeheim eine Romantikerin sind?« Ich wandte diesem unm#246;glichen Menschen den R#252;cken zu und beobachtete das, was unten vorging. »Ich gehe auch hinunter«, verk#252;ndete ich. »Vielleicht war ich vorher doch ein bi#223;chen voreilig .« »Es k#246;nnte zweckm#228;#223;ig sein«, gab Emerson zu. »Dem edlen Lord ist durchaus zuzutrauen, da#223; er einen Ver-wundeten schl#228;gt, und mit einem Arm ist ihm Walter nicht gewachsen. Oh, verdammt! Ich habe zu lange gewartet.« Er hatte recht, denn Lucas schlug auf Walter ein. Emerson rannte den Pfad entlang wie eine Bergziege, und ich folgte, wenn auch langsam. Evelyn versuchte, sich zwischen die beiden M#228;nner zu werfen, doch Lucas sch#252;ttelte sie ab. Walter war nicht gest#252;rzt und kehrte in den Kampf zur#252;ck, und ich konnte meine ehrliche Freude nicht unterdr#252;cken, als er Lucas' Kinn mit einem soliden Haken traf. Lucas fiel um wie ein anges#228;gter Baum. Ich raffte meine R#246;cke und rannte. Als ich ankam, stand Lucas gerade langsam und ziemlich benommen auf. #196;u#223;erlich schien er unversehrt zu sein, doch von der W#252;rde eines Lords war wenig mehr vorhanden. »Zwei gegen einen?« schrie er. »Das ist unsportlich!« »Sie m#252;ssen von unsportlichem Verhalten reden!« schrie ich zur#252;ck. »Sie haben einen verwundeten Mann geschlagen!« »Er hat mir Namen gesagt, die ich mir nicht gefallen lasse!« »Der Namen wegen entschuldige ich mich«, erkl#228;rte Walter, »aber wenn Sie, Mi#223; Amelia, geh#246;rt h#228;tten, was er von Mi#223; Evelyn sagte .« »Das ist wahr«, erkl#228;rte Evelyn, und alle schauten sie an. Sie trat einen Schritt zur#252;ck, als wolle sie ausdr#252;cken, da#223; sie keine Unterst#252;tzung w#252;nsche. »Nein, Amelia«, sagte sie leise und sehr bestimmt, »ich hatte die Hoffnung, dies vermeiden zu k#246;nnen, aber nun kann ich nicht mehr schweigen, weil Lucas es ausgesprochen hat. Ja, ich habe meine Unschuld an einen nichtsw#252;rdigen Menschen verloren, aber ich gab sie aus freiem Willen auf. Ich verlie#223; einen alten Mann, der mich von Herzen liebte. Nur Amelias g#252;tiges Herz hat mich davor bewahrt, mein Leben wegzuwerfen. Und jetzt bin ich dir Dank schuldig daf#252;r, da#223; du mich vor einer unbesonnenen Handlung bewahrt hast. Ich kann Lucas' nobles Angebot, mich zu heiraten, nicht annehmen. Es w#228;re keine feine Art, seine G#252;te zu vergelten. Ich werde niemals heiraten, sondern mein Leben guten Werken weihen.« Armes Ding! Sie wollte noch mehr sagen, doch ihre Gef#252;hle waren st#228;rker als sie, und ihre Stimme brach in einem Seufzer. Und dabei schaute sie immer Walter an, nur Walter. Er schien eine t#246;dliche Wunde empfangen zu haben und wu#223;te es nur noch nicht, da#223; er jetzt umfallen sollte. Emersons Gesicht war ausdruckslos wie der Fels hinter ihm. Aber nun wurde Walter pl#246;tzlich lebendig, und er fiel vor Evelyn auf die Knie. »Sie sind das edelste M#228;dchen der Welt, das mutigste und sch#246;nste!« rief er. »Aber mein liebes, mein s#252;#223;estes M#228;dchen, halten Sie so wenig von mir, da#223; Sie glauben, ich k#246;nnte Ihre tragische Geschichte nicht verstehen?« fragte er voll z#228;rtlichen Vorwurfes. »Sie h#228;tten mir doch vertrauen d#252;rfen .« Sie schaute ihn ungl#228;ubig an, dann seufzte sie, schlo#223; die Augen und lie#223; ihren goldenen Kopf an seine Brust fallen. Walter dr#252;ckte Evelyn fest an sich, und ich wischte mir die Tr#228;nen nicht ab, die mir #252;ber die Wangen liefen. »Gott sei Dank, das w#228;re also erledigt«, meinte Emerson erleichtert. »Lange genug hat's gedauert. Komm, Walter, k#252;#223; deine Braut, dann kehren wir ins Lager zur#252;ck. Ich bin halb verhungert und will essen.« »Niemand wird Sie je der Sentimentalit#228;t beschuldigen«, hielt ich ihm zornig vor. »Wollen Sie etwa behaupten, da#223; Sie bereit sind, Ihren Bruder an ein armes M#228;dchen wegzuwerfen?« »Nicht nur arm, nein, sogar ruiniert«, erwiderte Emerson fr#246;hlich. »Aber wieso eigentlich ruiniert? Sie scheint in jeder Beziehung noch wie neu zu sein. Eine t#252;chtige K#252;nstlerin ist eine wertvolle Erg#228;nzung unserer Mannschaft. Ein Gehalt kann ich ihr allerdings nicht bezahlen. Stellen Sie sich doch vor, was ich damit spare!« Ich erschrak, als ich Lucas' Stimme hinter mir h#246;rte. »Emerson, das k#246;nnen Sie doch nicht auch noch unterst#252;tzen. Das meinen Sie doch gar nicht so.« »Oh, Eure Lordschaft scheinen meinen Charakter mi#223;-zuverstehen«, erwiderte Emerson samtglatt. »Wer bin ich, da#223; ich mich wahrer Liebe in den Weg stellen d#252;rfte? Ich denke, das ist ganz ausgezeichnet f#252;r uns alle. Meinen Sie das nicht auch?« »Vielleicht haben Sie recht«, antwortete Lucas nach einigem Z#246;gern, und ich mu#223;te ihn daf#252;r bewundern. »Vielleicht war es so bestimmt.« »Sehen Sie, jetzt benehmen Sie sich wie ein wahrer britischer Edelmann«, lobte ihn Emerson. »Wollen Sie Kohlen auf die H#228;upter der Verlobten sammeln, indem Sie uns helfen, einen Toast auf sie auszubringen? Komm, Walter, wach auf! Walter! Walterchen!« Wie in Ekstase lief er gehorsam hinter seinem Bruder drein, und Evelyn konnte ihren verz#252;ckten Blick nicht von Walter l#246;sen. »Na, so edel bin ich auch wieder nicht«, meinte Lucas und l#228;chelte dazu. »Entschuldige mich, Evelyn. Ich m#246;chte ein bi#223;chen allein sein.« »Gott sei Dank«, sagte ich aus tiefstem Herzen, als er verschwunden war. |
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