"James Herbert - Creed" - читать интересную книгу автора (Herbert James)

Uwe von Royen
SWJ-DRIVE
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Roman Creed von James Herbert
Kapitel 1

Das erste was man über Joseph Creed wissen sollte, ist, daß er ein erstklassiger
Schwächling ist, vielleicht sogar ein großartiger Schwächling, wenn man seinen Beruf
bedenkt. Das zweite ist, daß er unser Held ist. (Zufällig ist er das letztere nicht wahlweise -
es ist jedenfalls nicht seine Wahl. Man kann sagen, daß die Umstände und seine
schändliche Natur sich verschworen haben, ihn dazu zu machen.) Sein Beruf ? Er greift
offen in die Tasche der Reichen und Berühmten, oder derjenigen, die man zwanglos in die
Kategorie der Berühmten einordnen kann. Im Idealfall sind diese Griffe von der Art, die
das Subjekt - oder Opfer -
lieber nicht veröffentlicht haben würde (natürlich, je weniger die Veröffentlichung
gewünscht wird, desto höher ist der Wert auf dem Medienmarkt). Creed ist also ein
Paparazzo ( ein Aasgeier von einem Fotografen würden manche sagen). Paparazzi ist der
Plural, oder
"Reptilien", wie ihre Opfer sie nennen würden. Es gibt andere Beschreibungen :
Parasiten, Blutegel, Geier. Abschaum ist sehr populär. Aber damit wir nicht zu hart zu
ihnen als Gattung sind, sollte am Anfang gesagt werden, daß es unter den Paparazzi
ausgesprochen nette
Mitglieder dieser Gattung gibt, manche benehmen sich sogar zuzeiten wie Gentlemen,
und ja sogar solche, die vertrauenswürdig sind. Unglücklicherweise gehört Creed jedoch
nicht zu ihnen. Manchmal - nein oft - weicht ihm sogar seine eigene Gattung aus, seine
Kollegen die Fotografen, Greifer, Schmierer, Affen ( obwohl man sagen muß, daß Neid
dabei eine Rolle spielt, da Creed die beunruhigende Fähigkeit besaß, das fast Unmögliche
auf Film festzuhalten, die Unangreifbaren zu greifen). Die fanden seine Methoden
verachtenswert.
Etwas, das an einigen der anderen in seinem männlich dominierten Beruf nagte, war sein
Erfolg bei den Frauen (üblicherweise muß man jedoch bereits unbeliebt sein, damit sich
andere darüber ärgern). Seine Romanzen, um einen unmodernen Begriff zu benutzen,
dauerten selten lange, aber sie waren häufig, und in drei von fünf Fällen waren seine
Partnerinnen ausgesprochen gutaussehend. Sehen Sie, er selbst sah ein wenig aus wie
Mickey Rourke, der Schauspieler (Mickey Rourke in seinem schlampigsten Zustand, falls
Sie sich das vorstellen können) und wenn er sein wissendes, fast belustigendes Lächeln
lächelte,
wußten die Frauen mit Sicherheit, daß er Ärger bedeutete. Und darin bestand, Gott helfe
ihnen, seine Anziehungskraft, das war es, was die Ladies fesselte. Sie fühlten, daß er ein
Stück Scheiße war, und es ist wahr, daß er sie in dieser Hinsicht selten enttäuschte.
Trotzdem waren sie hinter ihm her, sie steckten einen Zeh ins Wasser, und waren
aufgebracht, aber nicht überrascht, wenn sie sich verbrannten. Frauen sind nicht leicht zu
verstehen. Er hatte auch andere schlechte Eigenschaften. Joe Creed konnte gemein,
selbstsüchtig und unehrenhaft sein. Er war ein moralischer Betrüger, sowohl amoralisch
als auch unmoralisch - obwohl zu seiner Verteidigung zu sagen ist, daß er das nicht immer
war. Er konnte reizbar, widerspenstig, zynisch sein, und falls er dachte, daß er es sich
leisten könne, sogar streitsüchtig sein. Er hatte Freunde, aber keine guten Freunde. Und
trotzdem wurde er von Einrichtungen toleriert, die niemals andere seiner Art von
Profession dulden würden ( ein weiterer Grund des Neides unter seinen Kollegen): ihm
war es erlaubt, in den